Spotify trotz geringer Einnahmen beliebt

Bands aus Bonn und der Region setzen auf Streaming

Das Streaming kam im ersten Halbjahr 2018 auf einen Marktanteil von 47,8 Prozent. Der Anteil von CDs macht am Gesamtmarkt nur noch 34,4 Prozent aus.

Die Vorwürfe gegen Musik-Streamingdienste sind oft ähnlicher Natur, die Künstler würden zu wenig Geld erhalten, kleine Bands würden benachteiligt. Jetzt haben Die Ärzte ihren Widerstand aufgegeben.

Bonn. Die Ärzte haben sich lange Musik-Streaming verweigert. Jetzt haben sie ihren Widerstand aufgegeben. Wir haben bei vier Bands der Region nachgehört, wie sie es mit dem Streamen ihrer Musik halten.

Fans der Rockband Die Ärzte mussten lange warten, doch ab Mitte November sind die Stücke der Band auch bei Streaminganbietern wie Spotify zu finden. Das teilte die Band auf ihrer Website mit, über Jahre gehörte sie zu den Verweigerern des Streamens. Farin Urlaub, Sänger und Gitarrist der Band, nannte Streaming 2014 in einem Interview mit dem Stern, Ausbeutung. Er empfand damals die geringe Vergütung als ungerecht. Das Thema ist aktuell geblieben, auch wenn Die Ärzte ihre Ablehnung offenbar überwunden haben. Immer wieder kritisieren Musiker die niedrige Vergütung.

Die Band Querbeat, hauptsächlich bestehend aus ehemaligen Schüler des Kardinal-Frings-Gymnasium in Beuel, ist auf diversen Streaming-Plattformen gelistet. Der Track "Nie mehr Fastelovend" der Band wurde auf Spotify mehr als 4,5 Millionen Mal abgespielt. Band-Mitglied Andy Berger erklärt die Entscheidung mit der Reichweite auf Spotify. Auch wenn die Bezahlung schlecht sei, so sei es gleichzeitig eine Chance, bekannt zu werden. Die Playlists, die von Spotifys Musikredaktion zusammengestellt werden, seien hilfreich dabei, Reichweite zu generieren. Gerade die junge Zielgruppe könne dort angesprochen werden, erklärte Berger gegenüber dem GA. Das Problem sei nicht der Streaminganbieter, sondern dass Musik als Konsumgut betrachtet werde, von dem stets nur einzelne Tracks konsumiert würden und selten ganze Alben.

Auch die die Band "Klüngelköpp" ist auf Spotify vertreten. Dort gab es keine Diskussion darüber, ob man dort vertreten sein soll oder nicht. Wie das Managment der Band gegenüber dem GA mitteilte, hat die Band die Entscheidung von ihrer Plattenfirma übernommen.

Ebenso ist die Band "De Köbesse" auf Spotify gelistet. Keyboarder Eric Meyer glaubt daran, dass für Bands, die noch auf den Markt kommen wollen, Streaming hilfreich ist. "Gerade im karnevalistischen Bereich sind die Playlists auf Spotify wichtig", sagt er. Außerdem sei Spotify in eine gängige DJ-Software eingebunden. Wenn DJs auf einer Party nach einem Lied der Band gefragt würden, könnten sie es online abrufen und spielen, auch wenn sie es nicht offline dabei hätten.

Rockigere Töne schlägt die Bonner Band "Landgang" an. Für Bandmitglied Philipp Bierker ist Spotify nur für die Reichweite hilfreich. "Finanziell geht es um Cent-Beträge" räumt er ein. Dabei hat die Band durchaus einige Fans und hat auch durch ihren Auftritt auf dem Festival "Green Juice" Aufmerksamkeit gewonnen.

Die Pop-Punk Band "Chin Up" ist bei den wichtigsten Streaminganbietern ebenfalls vertreten. Gitarrist Freddy Hafner erklärt im Gespräch: "Wir wollen dort gefunden werden." Man wolle vermeiden, dass Nutzer auf Spotify nach der Band suchen und nicht fündig werden. Die Erfahrung der Nachwuchsband ist, dass Spotify zusammen mit Youtube die wichtigste Plattform ist, um entdeckt zu werden. 

Entdeckt werden müssen Die Ärzte nicht mehr, die nach eigenen Angaben "beste Band der Welt" dürfte bekannt genug sein. Warum die Band sich jetzt für Streamingdienste öffnet, bleibt vorerst im Geheimen. Die Band äußert sich dazu nicht.