Gipfeltreffen zweier Museen

Ausstellung "Pas de deux" in Kolumba

Im Dialog: Das Diatretglas aus dem Römisch-Germanischen begegnet Dieter Kriegs Gemälden im Museum Kolumba. FOTO: THOMAS BRILL

Im Dialog: Das Diatretglas aus dem Römisch-Germanischen begegnet Dieter Kriegs Gemälden im Museum Kolumba. FOTO: THOMAS BRILL

Köln. Kölscher Pas de deux: Das Römisch-Germanische Museum ist zu Gast im Museum Kolumba. "Pas de deux" bringt Meisterwerke beider Häuser in einen spannenden Dialog.

Herrlich, wie Fred Astaire und Cyd Charisse schwungvoll ihren Pas de deux im Film „The Band Wagon“ aufführen, während fein choreografiert im Hintergrund eine wilde Schießerei abgeht. Annamaria und Marzio Sala haben dieses filmische Fundstück subtil manipuliert. Dass „Fred“, so heißt die Arbeit, am Anfang der neuen Jahresausstellung im Kölner Museum Kolumba den Besucher empfängt, ist kein Zufall. Denn die Schau heißt „Pas de deux“ und ist doch viel mehr: Eine feinsinnige, artistische, mitunter akrobatische, in jedem Fall hoch spannende Durchdringung zweier Weltklassesammlungen. Der Untertitel deutet das an: „Römisch-Germanisches Kolumba“. Für die Dauer eines Jahres führen beide Institutionen im attraktiven Zumthor-Bau ein hochkarätiges Pas de deux auf.

Die anstehende Generalsanierung des Römisch-Germanischen hatte vor drei Jahren zu Überlegungen über eine Kooperation beider Häuser geführt. Herausgekommen ist die Verschmelzung beider Sammlungen auf Zeit. Antike trifft auf eine Spanne, die vom Mittelalter bis zur Gegenwart reicht, was Parallelitäten und Korrespondenzen offenbart und zu anregenden Dialogen führt – seien sie thematisch gepolt oder von der Suche nach formalen Bezügen geleitet. Ein weites (Spiel-)Feld, das die Teams um Stefan Kraus (Kolumba) und Marcus Trier (Römisch-Germanisches) glänzend und sehr originell bearbeitet haben.

Wer käme etwa darauf, eine der ersten Künstlergesten zeitlich ins dritte Jahrhundert und räumlich in Köln zu verorten, als ein Meister seine gläsernen Schälchen virtuos mit einem schwungvoll hingeworfenen bunten Glasfaden verzierte? Der „Kölner Schnörkel“, Markenzeichen für Kölner Glaskunst, war erfunden. In der Ausstellung führt von diesem Schnörkel ein Weg zu einem Nürnberger Gebetbuch mit der „Wurzel Jesse“, den „Ventilatoren“ von Hann Trier, den „Smogblüten“ von Werner Schiefers, Schreibversuchen seines fünfjährigen Töchterchens Alexandra und einer Passsage aus Laurence Sterns wilder literarischer Collage „Tristram Shandy“. Ein abenteuerliches Crossover, dem man begeistert folgt. Der „Kölner Schnörkel“ widerspricht dem Verdikt Heinrich Lützelers über den Kölner Humor: „Wenn man sagt 'Nu mach doch keene Baselemanes!!', so heißt das: lass das Getue, bleib mir mit der Verschnörkelung des Daseins weg! Der Kölner benimmt sich ausgesprochen unornamental...“

Der Belegungsplan der Arche Noah

Woanders in der Schau trifft antiker Schmuck auf einen verwandten Armreif von Elisabeth Treskow von 1972, korrespondiert ein zweihenkliger Becher aus Bergkristall (1. Jh.) mit einer Teekanne des Bauhauskünstlers Wilhelm Wagenfeld. Und ein Ensemble Kölner Töpferkunst aus mehreren Jahrhunderten wird hinterfangen von der fototapetenhaften „Vasenextase“ von Anna und Bernhard Blume, ein psychedelischer Tanz mit einer Vase, der ein schlimmes Ende befürchten lässt. Stark sind auch die Themenräume. Ornamentale, verspielte Tiermosaike aus der Kölner Wolfstraße (3. Jh.) etwa bringt „Pas de deux“ mit Jan Luykens vier bizarren barocken Kupferstichen zusammen, die quasi einen Belegungsplan der Arche Noah kolportierten. Auch der Spaß kommt in Kolumba also nicht zu kurz. Im Kapitel Schönheit sind weniger bekannte Kurzfilme von Rebecca Horn und etwa der Torso einer antiken Venusstatue zu sehen, der irgendwann mit dem Rücken nach oben zum Kölner Straßenbelag wurde. Von der Hohen Straße gelangte das Stück ins Römisch-Germanische Museum.

Traditionell sind die drei Turmräume bei Kolumba-Ausstellungen wahre Highlights. Diesmal sticht einer heraus: Mit wilder Geste gemalte Riesenformate von Dieter Krieg (der Zyklus „In der Leere ist ist nichts“), die als Todesmotiv ein umgekipptes Weinglas aus verschiedenen Perspektiven zeigen, umkreisen eines der kleinsten Exponate der Schau. Es handelt sich um das zwölf Zentimeter hohe, delikat durchbrochene Diatretglas aus dem vierten Jahrhundert – eines der Hauptstücke des Römisch-Germanischen Museum. Gefunden wurde es am 1. April 1960 in Köln-Braunsfeld, was zunächst als Aprilscherz verstanden wurde. Die griechische Inschrift heißt übersetzt „Trinke, lebe schön immerdar“. „Wir haben eine ziemlich kölsche Ausstellung gemacht“, schmunzelten Kraus und Trier.

Kolumba Köln; bis 20. August 2018. Täglich außer Di 12-17 Uhr