Ausstellung in Remagen

Arp Museum zeigt "Barocke Kunst Italiens"

Remagen. Die sehenswerte Schau „Im Lichte der Medici. Barocke Kunst Italiens“ mit Werken aus den Sammlungen Haukohl und Rau eröffnet die Ausstellungs-Saison im Arp Museum

Im Lukasevangelium ist die Geschichte von der Verkündigung des Engels Gabriel an die Jungfrau Maria, die in den Worten „Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben“ gipfelt, eine ziemlich nüchterne, eine Handvoll Sätze umfassende Schilderung. Der Florentiner Barockmaler Alessandro Gherardini machte daraus ein hochdramatisches, üppiges Schauspiel, opulentes Theater, großes Kino: Gewänder und Umgebung sind von einem Zittern erfasst, Leiber biegen sich wie im Sturm, im Sturzflug fliegt die Taube des Heiligen Geistes auf die Jungfrau zu, Gottvater kommt kaum hinterher; von der anderen Seite naht mit nervösem Flügelschlag Gabriel – umringt von flatternden Engelchen – und überreicht Maria eine weiße Lilie als Symbol von Reinheit und Jungfräulichkeit. Ein göttlicher Tornado wirbelt durch das Bild. Delikat zurückgenommen ist dagegen das Kolorit, das edle, duftige Pastelltöne neben eine ins Unwirkliche tendierende Skala von Grau- und Braunvaleurs setzt.

Der smarte texanische Banker und Sammler mit deutschen Wurzeln, Sir Mark Fehrs Haukohl, steht im Museum stolz neben Gherardinis Meisterwerk, erzählt, wie er das Gemälde und den 80 Kilogramm wiegenden, prächtigen Rahmen erwarb. Der 68-Jährige sammelt in sechster Generation, hat sich auf den Florentiner Barock fokussiert – seine Sammlung ist die größte außerhalb Italiens. In diesem Jahr, das im Rolandsecker Museum unter dem Motto Sammler steht, kann man sich kaum einen schöneren Start vorstellen als mit Haukohls „Family Collection“ und ausgewählten Unicef-Schätzen von Gustav Rau, die gemeinsam die größte Sammlerdynastie der Geschichte feiern: Die Medici aus Florenz. Gezeigt wird ein eher selten präsentierter Strang der Medici-Schätze. Nicht ihre Renaissance-Protegés Donatello, Michelangelo, Botticelli und Leonardo sind zu sehen, sondern weniger bekannte Meister des späten 16. und 17. Jahrhunderts – mit kleinen „Rückblenden“ in die Renaissance.

Ein Fest großer Emotionen

„Im Licht der Medici. Barocke Kunst Italiens“ ist die Schau überschrieben, 34 Gemälde kommen aus der Haukohl-Sammlung, die gerade auf Europatournee ist, zwölf Werke von Rau. Es ist ein Fest großer Emotionen, üppiger, durch mythologische und religiöse Sujets herrlich verbrämter Bilder von Lust und Leidenschaft. Felice Ficherellis Heiliger Sebastian etwa ist kein durch Pfeile dem Tod geweihter Märtyrer, sondern ein ansehnlicher, blühender Jüngling, der aufreizend auf seinem Lager liegt, schmachtend gen Himmel blickt und sich von der heiligen Irene behandeln lässt: Mit zärtlicher Geste zupft die Schöne einen Pfeil aus Sebastians makellosem Body.

Die Medici-Schau ist auch ein Fest der Blicke und Gesten. Affektgeladen entspannt sich das Liebesdrama zwischen Joseph und der Gattin seines Herrn Potiphar in Giovanni Battista Caracciolos Bild; innig blicken sich in Giovanni Domenico Ferrettis Gemälde der Harlekin und seine Dame in die Augen; stoisch dagegen der Ausdruck der schönen Judith, die in Onorio Marinaris delikatem Bild gerade mit einer beeindruckenden Coolness und ihrem Prunkdolch den Kopf des Holophernes absäbelt.

Den gemalten Dramen von Sex and Crime stellt die Schau Beispiele gegenreformatorischer Frömmigkeit gegenüber, auf denen Emotionen, schöne Körper und schmachtende Blicke ebenfalls eine große Rolle spielen. Marinari ist hier mit überirdisch schönen Jünglingen vertreten, einem Sebastian und einem Apollo. Jacopo Giorgi stellt ihnen eine mit Schlafzimmerblick büßende Magdalena zur Seite.

Zwischen den beiden letztlich einander doch so ähnlichen Sphären feiert die Schau mit einer Büste des Medici-Papstes Clemens VII. von Angelo Montorsoli (um 1532) und dem prächtigen Porträt von Giovan Carlo de' Medici des Hofmalers Justus Suttermans zwei Exponenten der mächtigen Sammlerfamilie. Sie waren Textilhändler und Banker („Bankiers Gottes“ wurde sie genannt), skrupellose Machtmenschen und strategische Schöngeister. Ein Clan, der nicht nur 14 Kardinäle und drei Päpste stellte, sondern durch eine geschickte Heiratspolitik mit allen wichtigen Herrscherhäusern Europas vernetzt war. Bei Arp treten sie jedoch allein als hehre Förderer der Künste und Wissenschaft auf.