Hallo Kalk

Angela Richters Rechercheabend - Viel Schönheit, wenig Hirn

Suche nach dem Gesicht der Zukunft: Szene aus "Brain And Beauty".

BONN. Woche für Woche kann man bei RTL 2 verfolgen, wie in der Sendung "Extrem schön" Frauen geholfen wird, "endlich ein neues Leben" zu bekommen.

Und auch andernorts im privaten wie im öffentlich-rechtlichen TV geht es immer wieder um Schönheits-OPs - um gelungene, aber noch lieber um verpfuschte, um öffentliche, aber noch lieber um vertuschte.

In diesem Fahrwasser bewegt sich nun auch Angela Richters Abend "Brain and Beauty", der jetzt in der Halle Kalk Premiere feierte. Und um es gleich zu sagen: Aus diesem Fahrwasser kommt diese 95-minütige "Suche nach dem Gesicht der Zukunft", so der Untertitel, nicht heraus.

Wie immer bei ihren Abenden basiert der Text auf Interviews, die Angela Richter geführt hat. Im Programmheft werden die beteiligten Ärzte aus Köln, London und Los Angeles namentlich erwähnt, Dr. Arnold William Klein sogar mit dem Zusatz "Hautarzt von Michael Jackson" versehen.

Von ihm stammt dann eine Anekdote, die zum Überraschendsten gehört: Er habe Jackson nur gesagt, er würde ihn operieren. Aber um dessen Gesicht vor weiteren Zerstörungen zu schützen, habe man während der OP nichts gemacht. Jackson sei, wie auch viele andere, einfach nur noch süchtig nach mehr Operationen gewesen.

Dieser und auch andere Ärzte werden verkörpert von Yuri Englert und Malte Sundermann, die vor allem in ihren zynischen Dialogsequenzen an die Helden der US-Serie "Nip/Tuck" erinnern. Dampfplaudereien aus dem medizinischen Nähkästchen, die auf ein Ziel hinauslaufen: "Wenn ich die Operation nicht mache, macht sie ein anderer!"

Melanie Kretschmann und Julia Riedler geben den Frauen, die mit ihren Körpern nicht zufrieden waren, Stimme und Gesicht. Sie erzählen von Bulemie, arroganten Ärzten, einer billigen OP in Südamerika, die schiefläuft. "Die linke Seite des Kiefers ist noch gefühllos, aber die Schwellung der Nase hat über die Jahre abgenommen. Für mich ist das wie eine Kriegsverletzung", beschreibt das Pfusch-Opfer.

Allein: Neue Erkenntnisse gibt es zum Themenkomplex nicht, stattdessen versammelt Richter sattsam Bekanntes, ohne dem Ganzen neue Seiten abzugewinnen. Hier wird ein aktuelles Thema nicht theatral beleuchtet, sondern nur auf die (von Katrin Brack eingerichtete) Bühne gebracht.

Die Schauspieler (sowie sechs Statisten, allesamt in Kostümen von Wiebke Schlüter) sind umgeben von einem Heer von Schaufensterpuppen und verfallen immer wieder in ebensolche starre Positionen, um dann wieder, mal marionettenhaft, mal ungelenk zu Disco- und Elektroklängen zu tanzen. Aber das verstört nicht, und es berührt nicht. Das schafft nur eine Szene an diesem Abend.

In der Rolle einer Psychologin, die ein an Bulimie erkranktes Mädchen behandelt, schiebt Magda Lena Schlott ihre Kollegen in einer Art Familienaufstellung über die Bühne. Und zeigt so mögliche Gründe für die Erkrankung. Ein großartiger, aber einsamer Moment.

Termine: 22. und 30.4., Halle Kalk, Karten in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen.