Lanxess-Arena

A-ha-Konzert in Köln lässt den Schnee schmelzen

Ein Ereignis: Die Gruppe A-ha sorgt in der Kölner Lanxess-Arena für Stimmung.

Ein Ereignis: Die Gruppe A-ha sorgt in der Kölner Lanxess-Arena für Stimmung.

Köln. Jede Menge Überraschungen gab es beim Auftritt von A-ha in der Kölner Lanxess-Arena am Dienstag. Rund 8000 Besucher erleben einen großartigen Abend.

Es gibt Menschen, die müssen immer was zu Motzen haben. Sonst sind sie nicht glücklich. Beim Konzert von A-ha Dienstag in der Kölner Arena, kommen solche Gewohnheitsnörgler gleich mehrfach auf ihre Kosten. Angefangen damit, dass die norwegische Band 30 Minuten später anfing, als angekündigt.

Fakt ist: Morten Harket (58), Pal Waaktaar-Savoy (56) und Magne Furujolmen (55) können zwar einen schneebedeckten Fjord (auf der Leinwand) in eine Frühlingslandschaft verwandeln, nicht aber die Autobahnen in NRW. Zweiter Punkt auf der Mängelliste der ewigen Mäkler: „Das ist ja gar nicht wirklich unplugged!“ Obwohl es auf der Karte draufsteht. Wie auch? In einer Halle mit diesen Ausmaßen? Weitermachen könnte man damit, dass die Stücke ja ganz anders klingen wie früher. So anders, dass man sie zwar kennt, aber nicht auf Anhieb erkennt. Aber will man das?

Wo doch das Gros der 8000 Besucher am Ende des fast zweistündigen Abends unendlich berührt und dankbar ist? Dafür, dass sie das erleben durften. Die einstigen Synthie-Pop-Heroen in einer Atmosphäre zu erleben, die in ihren besten Momenten fast meditativ wirkte. Harkets Stimme kommt so filigran, schwebend und glasklar daher, wie noch nie. Allzu oft ging ihre Schönheit unter, bei früheren Auftritten, im auf Achterbahngeschwindigkeit getunten Computerbombastical. Ja, Dienstag, beim Ende des Refrains von „Take On Me“, da merkte man, dass der Mann älter geworden ist. Aber das „Staaaay“ in „Summer Moved On“ bekommt er noch tadellos hin.

Ungewohnte Instrumentierung

Er brillierte bei „Hunting High and Low“, seine „Scoundrel Days“ gelingen meisterhaft. Und was ist mit dem Patzer bei „Living a Boy's Adventure's Tale“? Können die unermüdlichen Unkenrufer nicht Mal endlich die Klappe halten? Um etwas zu genießen, mit dem man womöglich sogar Schnee zum Schmelzen bringen könnte? So warm und innig und traurig und tröstend zugleich, wie das klingt? Harket wäscht den Schmerz von der Seele und versöhnt mit der Welt.

Am Ende eines wirklich lausigen Tages gibt es nichts Besseres. Die ungewohnte Instrumentierung – unter anderem mit Cello, Violine, Viola, Oboe, Vibraphon und Spinett – verleiht dem ein intimes, kammermusikalisches Gepräge. Da, wo mehr Fülle statt solistischer Finesse mit Hilfe von Saiten und Bögen, Tasten und Hämmern oder Klöppeln und Platten gefragt ist, kommen die starken Stimmen der drei Streicherinnen zum Einsatz.

Mitunter erhebt sich ein klanggewaltiger Chorgesang aus allen Kehlen derer, die da auf der Bühne stehen. Zusammen mit Harket, mit Waaktaar-Savoy und Furuholmen sind das sieben Menschen. Das Schlagzeug macht mächtig Druck, und der Bass braust auf wie eine mächtige Brandung. Ja. Stimmt, der Bass ist eingestöpselt. Aber, mal ehrlich, wen interessiert das?

2012 haben A-ha ihren 30. Geburtstag gefeiert. Überraschungen gab es auf der dazugehörigen Tour keine. Alles wie gehabt. Alles, wie es sein sollte und erwartet wurde. Diesmal gab es jede Menge Überraschungen. Bei jedem einzelnen Stück.

Was in die Erkenntnis mündet, dass weniger manchmal tatsächlich mehr ist. Das 2017 veröffentlichte MTV unplugged-Album schuf die Basis für das beste A-ha-Konzert seit Langem. Vorausgesetzt natürlich, man gehört nicht zu den notorischen Miesmachern.