Neues Album, neue Tour

Wolfgang Niedecken im Interview

Wolfgang Niedecken im General-Anzeiger: "Die Zusammenarbeit mit den amerikanischen Musikern hat auch menschlich gepasst"

Wolfgang Niedecken im General-Anzeiger: "Die Zusammenarbeit mit den amerikanischen Musikern hat auch menschlich gepasst"

BONN. Wolfgang Niedecken hat ein neues Album fertiggestellt. „Reinrassije Stroßekööter – Das Familienalbum“ ist gewissermaßen die Fortsetzung von „Zosamme alt“.

Der Kölner Wolfgang Niedecken hat 13 alte Lieder, in der seine Familiengeschichte eine Rolle spielt, mit internationalen Musikern in New Orleans neu eingespielt. Darunter: „Weisste noch“, „Bahnhofskino“ und „Et ess wie’t ess“. Neu ist der Titelsong. Einige Stücke wird Niedecken im Programm haben, wenn er im nächsten Jahr mit BAP auf Tour geht. Mit dem Sänger sprach Heinz Dietl.

GA: Herr Niedecken, sind Sie ein „reinrassiger Straßenköter“?

Niedecken: Ja. Und ich bin der Meinung, dass man den gegenwärtigen „Rassenwahn“ zumindest mal persiflieren sollte.

GA: Zumal Sie selbst einen Migrationshintergrund haben. Ihr Vater kommt aus Unkel?

Niedecken: Ja. Und was weiß ich, wer meinen unehelichen Großvater mütterlicherseits gezeugt hat. Übrigens, diese Begriffspaare, die sich gegenseitig ausschließen, nennt man Oxymoron. Das hat mir meine Tochter gesteckt … Leistungskurs Deutsch. „Alter Knabe“ ist auch ein Oxymoron.

GA: Was bedeutet Ihnen das neue Album?

Niedecken: Es ist die Konsequenz aus dem vorherigen Soloalbum, das ich nach meinem Schlaganfall in Woodstock mit amerikanischen Musikern aufgenommen hatte. Es enthielt 15 Lieder an meinen Schutzengel. Nach der Produktion waren alle im Team etwas traurig. So entstand die Idee für einen Nachfolger.

GA: Sie blicken in die Anfänge Ihrer Familie zurück. Wie kommt’s?

Niedecken: Ich habe mich immer schon für Geschichte interessiert. Es geht bei mir um einen Zeitraum von etwa 100 Jahren. Ich wollte das mal zusammenfassen. Ich bin mittlerweile 66, und wenn man das nicht langsam mal macht, dann besteht die Möglichkeit vielleicht nicht mehr.

GA: Lassen sich in älteren Liedern Potenziale entdecken, die man damals noch nicht gesehen hat?

Niedecken: Auf jeden Fall. Es gibt diesen Spruch: Das Lied ist immer schlauer als derjenige, der es geschrieben hat.

GA: Was ist der Kick bei „Weisste noch“?

Niedecken: Das Stück haben wir in Paderborn uraufgeführt – am Tag, als Helmut Kohl zum Bundeskanzler gewählt wurde, am 1. Oktober 1982. Von der Bühne haben wir damals die Wahlergebnisse verfolgt. Viele Fans haben immer wieder nach dem Song verlangt. Es geht um diesen kleinen Jungen mit seiner Labberlederbotz, der auf der Südbrücke steht und ein unglaubliches Fernweh entwickelt. Dieses Fernweh spüre ich immer noch.

GA: Es waren einige Koryphäen im Studio. Klappt da gleich alles auf Anhieb?

Niedecken: Erfreulicherweise ja. Rosco Beck war beispielsweise der Bassist bei Leonard Cohen und über 30 Jahre sein Musical Director. Das hat alles auch menschlich gepasst.

GA: Apropos. Was machen wir mit dem FC Köln?

Niedecken: Ich rate zur Besonnenheit. Bloß jetzt nicht aus lauter Aktionismus den Trainer feuern. Das wäre das Allerschlimmste – und auch völlig bescheuert.

Info: „Reinrassije Stroßekööter“ erscheint am 27. Oktober; Live u. a. in Köln, Lanxess Arena, 2. Juni 2018