Wo Nacktsein normal ist

Tatort "Hardcore" will mit Klischees über Pornos aufräumen

Nackt ist hier normal: Kommissar Leitmayr (Udo Wachtveitl, links) ermittelt in der Müchner Porno-Szene.

Nackt ist hier normal: Kommissar Leitmayr (Udo Wachtveitl, links) ermittelt in der Müchner Porno-Szene.

Bonn. Der aktuelle Tatort "Hardcore" aus München hat eine Mission: Die Macher wollen mit bürgerlichen Klischees über die Porno-Industrie aufräumen. Ob das gelingt? Unsere Vorab-Kritik inklusive Trailer.

Im neuen Tatort „Hardcore“ verschlägt es das Ermittler-Duo Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) in die Münchner Porno-Industrie. Marie Wagner wird erdrosselt in einem Planschbecken voller Sperma. Die 19-Jährige hat unter dem Namen Luna Pink Pornos gedreht, so auch am Abend ihres Todes.

Zu den Verdächtigen zählen schnell die konkurrierenden Pornoproduzenten Olli Hauer und Sam Jordan, die beide mit Luna Pink gearbeitet haben und beide vor der Pleite stehen. Denn die 70er- und 80er-Jahre, als Münchner Pornoszene florierte, sind längst vorbei. Amateure und ihre mit ein paar Klicks ins Internet gestellten Filme fluten den Markt. Dass ausgerechnet Oberstaatsanwalt Kysela der Vater der toten Darstellerin ist, macht die Ermittlungen nicht einfacher.

Dieser Tatort hat eine Mission: Regisseur und Mitautor Philip Koch will mit bürgerlichen Klischees aufräumen, unverblümt und mit viel nackter Haut. Die Darstellerinnen sind Mütter, arbeiten im Altenheim, Pornos drehen sie nebenher und ganz selbstbestimmt. Es sind Männer wie Kommissar Batic, die damit ein Problem haben.

Doch dem eigenen Anspruch werden die Macher nicht immer gerecht: Um den Porno aus der Tabuzone zu befreien, fehlt dem Film die Tiefe, die schemenhaften Figuren und der zum Teil plumpe Witz wirken doch wieder prüde. Daneben werden Krimihandlung und Tatmotiv vernachlässigt.

Es sind die wohlkomponierten Bilder und kreativen Perspektiven, die – neben einigen amüsanten Szenen – diesen Tatort unterm Strich doch sehenswert machen.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr