Rotgefühl und Eifelblick

kunstgaleriebonn widmet dem Kölner Maler Peter Tollens eine Ausstellung

In der aktuellen Ausstellung des Kölner Museums Kolumba hängen zwei rote Bilder von Peter Tollens, die nicht nur 20 Jahre trennen, sondern auch die Gewissheit, dass Rot Rot ist. So wie es über hundert Nuancen von Weiß gibt und unzählige Beschaffenheiten von Schnee, ist auch die Farbbezeichnung in Tollens' Malerei eine vage Angelegenheit.

 Eine geradezu jugendliche Geste prägt das ältere Rot-Bild aus den 1980er Jahren, während das jüngere konzentrierter, komplexer, auch kontrollierter wirkt. Die kunstgaleriebonn setzt den in Kolumba begonnenen Dialog fort, indem sie das Spektrum auffächert, den im August 60 gewordenen Kölner Maler breit präsentiert.

Wobei die spannende Gegenüberstellung aus Kolumba fortgesetzt wird. Geste und eine gewisse - jugendliche - Unruhe treffen auf kompakte Aussage, der Glanz der mehr oder weniger pastos aufgetragenen Farbe ist einer eher stumpfen, bisweilen schrundigen Oberfläche aus kostbaren Farbpigmenten gewichen. Zur Farbdiskussion, die Tollens noch immer leidenschaftlich führt, ist neuerdings die intensivere Debatte über das Malmaterial gekommen.

Tollens freilich ist ein Maler, der sich derlei Überlegungen erfreulich unakademisch, vielmehr geradezu emotional hingibt. Ein gerade vollendetes Bild wie "Grüngraurosaorange" führt die genannten Farben spielerisch zusammen, wobei sich eine gleichsam vibrierende graue Farbmembran über das quirlige Treiben der Pigmente legt, ohne das pulsierende Mit- und Gegeneinander letztlich kaschieren zu können. Und zu wollen.

Die überaus anregende Tollens-Ausstellung wird um eine Facette bereichert. Es ist eine Premiere: Denn Tollens hat, was kaum bekannt ist, neben dem "offiziellen" abstrakten, mehr oder weniger monochromen Farbwerk ein privates Werk geschaffen, das nun erstmals in einer Ausstellung gezeigt wird. Tollens, der Naturfreak, wandert gerne, liebt die Natur, hat dieser mit herrlichen kleinen Landschaftsbildern ein Denkmal gesetzt. Parallel entstehen also Eifelansichten, "Hohe Acht" oder "Am Niederrhein" und Bilder wie "Mattblau" oder "Dunkelgrün-Permanent Rot Dunkel-Indisch Gelb". Wer vermutet, dass beide Werkkomplexe viel mehr miteinander zu tun haben, als es zunächst den Anschein hat, liegt richtig.

Öffnungszeiten

 Kunstgaleriebonn, Villa Faupel, Lotharstraße 106; bis 31. Oktober. Di-Fr 14-18, Sa 11-15 Uhr und nach Vereinbarung