Brahmstage in Endenich

Zweistündiger Abstecher in den "Kammermusikhimmel"

ENDENICH. Bereits bei den ersten Tönen von Brahms' G-Dur-Sonate sank man etwas tiefer in den Stuhl und entspannte. Die amerikanische Geigerin Ida Bieler und Pianist James Maddox bescherten sich und dem Publikum zum Abschluss der Brahmstage in Endenich einen ganz besonderen Brahmsabend mit allen drei Violinsonaten - Brahms pur also.

Brahms selbst hat zwar auch gegeigt, aber laut eigener Aussage lag ihm das Violoncello mit seiner warmen Tiefe klanglich mehr. Die Wärme hat Brahms aber auch in seine Violinsonaten hineinkomponiert - das wurde an diesem Abend in der Trinitatiskirche durch Bielers Interpretation erlebbar. Innig und mit tiefer Verbundenheit zum Werk spielte sie die langsamen Sätze und verzauberte damit.

So zu hören beim Wechsel zwischen dem wunderschön-schlichten Adagio im 2. Satz von Opus 100 mit dem spritzig-charmant gespielten Vivace. Dicht und durch das Spiel auf der G-Saite in seinem Klang ganz besonders gelang auch der langsame Satz von op. 108. Hoch-virtuos waren natürlich auch die schnellen Sätze - mit stetiger Steigerung bis hin zum Presto agitato der abschließenden d-Moll-Sonate.

Stellen Interpreten eine Gattung eines Komponisten in das Zentrum eines Konzerts, so ist wohl die große Herausforderung, die Eigenarten jeden Werks hörbar zu machen. Obschon natürlich Brahms immer hörbar war, schaffte das Duo es, die verschiedenen Charaktere und Energien zu vermitteln.

Maddox erwies sich an diesem Abend wieder einmal als idealer Kammermusikpartner. Es ist wohl auf die langjährige Zusammenarbeit zurückzuführen, dass Maddox jede noch so kleine Veränderung an Bielers Körpersprache lesen kann. So endeten die Brahmstage für das Publikum mit einem knapp zweistündigen Abstecher in den "Kammermusikhimmel". Wer sich diesen erhalten will, kann die Aufnahme der Brahms-Sonaten von Ida Bieler und James Maddox nun auf CD erwerben.