Hans-Joachim Heyse

Zum Tod des ehemaligen Bonner Generalintendanten

Hans-Joachim Heyse auf einem undatierten Foto mit der Schauspielerin Susanne Seidler.

Bonn. "Ich denke, weil ich verstehen will! Diesen wunderbaren Satz von Hannah Arendt möchte ich überall hinschreiben." So lautet eines der "Mayener Epigramme", die Hans-Joachim Heyse in seinem 2006 erschienenen Buch "Standspuren" veröffentlichte. Manche seiner Texte sind bissiger. Warum niemand mehr anhalten wolle im rasenden Taumel der kapitalistischen Weltzerstörung, fragt er dort zornig. Seine Antwort: "Sie mussten unbedingt die Pole-Position besetzen beim großen Finale der Lemminge ...".

Von 1970 bis 1981 war der 1929 in Niederschlesien geborene Regisseur und Schauspieler Generalintendant am Theater der Stadt Bonn, wo er zuvor schon unter seinem Vorgänger Karl Pempelfort von 1964 bis 1966 als Oberspielleiter des Schauspiels arbeitete. In derselben Funktion war er danach wieder am Bochumer Schauspiel tätig, wo er nach seiner Ausbildung in Magdeburg und seiner Übersiedelung nach Westdeutschland unter dem Intendanten Hans Schalla sein Theaterhandwerk gelernt hatte. Heyses Bochumer Inszenierung von Wedekinds "Musik" wurde 1965 zum Berliner Theatertreffen eingeladen.

Heyses Arbeit in Bonn konzentrierte sich auf das Schauspiel. Sein eindeutiger Favorit war Shakespeare, dicht gefolgt von Sternheim und Brecht. Aber auch mehrere Werke des damals noch zu den "jungen Wilden" zählenden Briten Edward Bond erlebten hier ihre deutschsprachigen Erstaufführungen.

In der Oper führte Heyse seltener Regie und setzte auf das klassische Repertoire, sparte aber auch das 20. Jahrhundert nicht aus. Hindemiths "Cardillac" und "Mathis der Maler" waren hier zu erleben. Bei der "Elegie für junge Liebende" führte der Komponist Hans Werner Henze selbst Regie.

Beim Ballett waren es weniger die großen Handlungsballette, die mit der relativ kleinen Compagnie ohnehin nicht zu stemmen waren, sondern modernere tänzerische Ausdrucksformen, die für ein eigenes Profil sorgten. Regie war für ihn, der gern auch als Schauspieler auf der Bühne stand, vor allem eine genaue Lektüre des jeweiligen Werkes. Das Bonner Publikum dankte es ihm mit einer regelmäßig über 90 Prozent liegenden Platzauslastung.

Er wollte "Theater für eine Stadt" machen. So lautet auch der Titel des Buches über die von ihm geprägten 1970er Jahre am Bonner Stadttheater. Mit dem kräftig sprudelnden Geld des Bundes wollte Bonn jedoch ein repräsentatives Hauptstadttheater. Heyses Nachfolger als Generalintendant wurde der brillante Opernmann Jean-Claude Riber, das Schauspiel erlebte unter Peter Eschberg eine Blütezeit. Heyse arbeitete in den 1980er Jahren als Professor an der Folkwang-Hochschule Essen und bundesweit als freier Regisseur. Von 1988 bis 2003 leitete er die Burgfestspiele Mayen/Eifel, wollte aber bei dem, was er "Eventisierung" nannte, nicht mehr mitwirken.

Zwei seiner drei Töchter, Cornelia und Hendreike Heyse, wurden Schauspielerinnen. Ihr Bruder Matthias Brenner ist ein gefragter Regisseur und leitet seit Beginn dieses Jahrzehnts das Schauspiel Halle/Saale.

Am vergangenen Samstag ist Hans-Joachim Heyse in seiner Wahlheimat Mayen mit 83 Jahren im Vollbesitz seiner geistigen Wachheit plötzlich gestorben.