Traumergebnis für "The Cleaner"

Zehntausende besuchen Abramovic-Ausstellung in Bonn

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (links) und Marina Abramovic in der Bundeskunsthalle.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (links) und Marina Abramovic in der Bundeskunsthalle.

Bonn. Die Bonner Ausstellung von Marina Abramovic endet mit einem Traumergebnis: 62.000 Besucher sahen „The Cleaner“ in der Bundeskunsthalle. Es ist eine der bestbesuchten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst.

Selten wurde die Bundeskunsthalle so sehr von Emotionen geflutet, wie in der am Sonntag zu Ende gegangenen Ausstellung „The Cleaner“ der Performance-Ikone Marina Abramovic. Als sie am 14. Juni ihre Ausstellung besuchte – das zweite und letzte Mal überhaupt seit der Eröffnung im April – kämpfte sie selbst mit den Tränen. Anlass war die erste Neuaufführung der Aktion „The House with the Ocean View“ durch die Tänzerin Lyn Benschik, die zwölf Tage nonstop in drei offenen, schwebenden Kojen agierte. Sicherlich einer der Höhepunkte der Schau. 2002 hatte Abramovic die anstrengende und nervenzehrende Performance in New York selbst präsentiert. Mitte Juni kamen jene Erinnerungen wieder hoch. Die 1946 in Belgrad geborene Abramovic bat das Publikum: „Der Ozean, das seid ihr, geht hin zu Lyn, gebt ihr Energie, sie braucht es.“

Auf Facebook wird Benschik wie eine Heldin gefeiert, wie sie nach zwölf Tagen sichtlich erschöpft den Ort der drastischen Performance verlässt. Etliche Posts verraten, wie sehr ihre Aktion Menschen bewegt hat, unzählige Bilder zeigen, wie viele Fans die Bonner Schau genutzt haben, um in den Abramovic-Kosmos einzutauchen.

62 000 Besucher haben „The Cleaner“ gesehen. Für eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst ist das eine Traumzahl. Entsprechend gut aufgelegt ist Susanne Kleine, die Kuratorin der Schau. „Das war hier eine der bestbesuchten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst“, freut sie sich. Auch für sie selber sei es ein besonderes Erlebnis gewesen, „es war eine sehr intensive Zeit“, erzählt sie. Was sie beeindruckt habe, sei die hochemotionale Reaktion der Besucher gewesen: „Die Resonanz war außergewöhnlich positiv, weil die Leute sehr betroffen waren“, sagt sie, „mich hat am Ende einer Führung sogar eine Besucherin umarmt – mit Tränen in den Augen“.

Nachdenken über Scham und Toleranz

Das Geheimnis von Abramovic' durchaus kritisch bis euphorisch stimmenden Arbeiten sei deren Direktheit: „Man beginnt über sich nachzudenken, über seine Scham, über Toleranz.“ Gerade die Performances und die partizipativen Arbeiten seien angenommen worden.

Kleine: Hier habe es im Vorfeld große Bedenken gegeben – Abramovic gilt als charismatische Figur, die Aufführungen sind historische Dokumente, eigentlich nur mit ihr oder ihrem Partner Ulay als Protagonisten denkbar. Doch alle Widerstände hätten sich im Laufe der Schau im Nichts aufgelöst, berichtet sie. Die Künstlerin selbst habe sehr positiv auf ihre Retrospektive reagiert, „sie hat viel erzählt, war locker, hat Witze gemacht, war sehr bewegt, ihre Kunst an einem Ort versammelt zu sehen. Und sie hat überraschende Aspekte ihrer eigenen Kunst entdeckt.“

Mit 1000 Besuchern von 18 bis 21 Uhr sei der „Wednesday Late Art“ vergangenen Mittwoch der bestbesuchte Tag der Schau gewesen, erzählt Pressesprecher Sven Bergmann, die Eröffnung war mit 2515 eine der bestbesuchten der vergangenen Jahre. Die Reaktionen fallen großteils positiv aus: Auf Facebook fragte man zwar „geschmacklos oder faszinierend? Schaut selbst...“, lobte dann aber „Radikal und kompromisslos“; das Gästebuch der Bundeskunsthalle steckt voller Lob und poetischer, überschwänglicher Kommentare und gründlicher Analysen.