Konzert in Bonn

Wishbone Ash begeistern in der Harmonie

Schwelgen in Erinnerungen: Andy Powell von Wishbone Ash.

Schwelgen in Erinnerungen: Andy Powell von Wishbone Ash.

Bonn. Wishbone Ash haben ein gefeiertes Konzert in der Harmonie in Endenich gespielt. Die britische Rockband stürzte sich von der ersten Sekunde an ins Klanggetümmel.

Es ist ein Duett der besonderen Art: Wilde Gitarrenklänge schlingen sich in- und umeinander, ergänzen und vereinen sich, ein energiegeladener Tanz zwischen Folk und Rock, kraftvoll und elegant zugleich. Seit beinahe 50 Jahren ist diese Zweistimmigkeit das Markenzeichen von Wishbone Ash, mit der sie Bands wie Thin Lizzy, Judas Priest und Iron Maiden beeinflussten. Jetzt sind die Veteranen um Frontmann Andy Powell erneut in die ausverkaufte Harmonie gekommen, um in Erinnerungen zu schwelgen und einige epische Klassiker inklusive des beliebten „Phoenix“ aus der glühenden Asche auferstehen zu lassen. Was für das Quartett eine ihrer leichtesten Übungen ist.

Von der ersten Sekunde an stürzen sich Wishbone Ash ins Klang-Getümmel. „Real Guitars Have Wings“, spielen sie, und diesem Motto folgend jagen denn auch Powell und Neuling Mark Abrahams mit beeindruckender Virtuosität über die Saiten.

Letzterer erweist sich als souveräner Partner für Powell, der immer präsent ist und doch nie zu viel macht, der sich nicht unnötig in den Vordergrund spielt und mit selbstverliebten Soli befriedigt, sondern jeden Ton in den Dienst des Stücks stellt.

Durchkomponierte Stücke

Die elaborierten Instrumental-Passagen, die gerade bei den älteren Stücken wie „The King Will Come“ durchaus an Ritchie Blackmores Spiel erinnern (Wishbone Ash waren immerhin 1970 Vorband von Deep Purple), kommen so besonders gut zur Geltung, zumal Powell dank dieser Verlässlichkeit befreit aufspielen kann.

Zugegeben, den durchkomponierten Stücken fehlen dadurch mitunter Überraschungsmomente, doch angesichts der exzellenten Melodieführung stört sich niemand daran. Bedauerlich ist dagegen, dass die Briten kurz vor Konzertbeginn mit „Mountainside“ und „Lifeline“ zwei überaus reizvolle Titel von der Setlist streichen, obwohl die Band mehr als genug Zeit gehabt hätte. Zwar kommen Wishbone Ash mit einer Viertelstunde Verspätung auf die Bühne, das große Finale mit „Phoenix“ erklingt aber schon nach gut 75 Minuten, mit Zugaben kommt die Band am Ende auf rund anderthalb Stunden Spielzeit. Da wäre durchaus noch Luft nach oben gewesen.

Das Publikum ist dennoch begeistert, feiert Klassiker wie „Jailbait“ oder „Standing In The Rain“ ebenso wie die herrlichen Akustik-Nummern „Leaf And Stream“ und „Wings of Desire“, die noch einmal mehr auf das Folk-Erbe des Quartetts verweisen. Das Alter der Band hört man dabei keineswegs, die Musik wirkt vielmehr frisch und so innovativ wie schon vor 50 Jahren. So können Powell und Co ganz entspannt ins Jubiläumsjahr blicken, das Wishbone Ash ab Oktober mit einer großen Tour feiern wollen. Vielleicht auch wieder mit einem Konzert in Bonn. Man kann ja hoffen.