2014 war er schon einmal für diese Auszeichnung nominiert

"Wir brauchen Menschen, die aufstehen"

Dankesrede: Hajo Tuschy in den Kammerspielen.

Dankesrede: Hajo Tuschy in den Kammerspielen.

Bonn. Hajo Tuschy erhält kurz vor seinem Wechsel nach Hannover den Thespis-Preis der Freunde der Kammerspiele.

Hajo Tuschy ist ein Querdenker. Ein Schauspieler, der sich etwas traut, der seine Figuren immer wieder auf seine ganz eigene Art denkt und der die Tiefen seiner Kunst genuss- und humorvoll erforscht.

So ist es nur konsequent, dass der 32-Jährige gegen Ende seiner Zeit am Theater Bonn nun endlich den Thespis-Theaterpreis der Freunde der Kammerspiele erhält, nachdem er ihm am Anfang noch verwehrt blieb.

2014 war er schon einmal für diese Auszeichnung nominiert, damals ging sie letztlich an Wolfgang Rüter. Am Samstag konnte Tuschy, der ab der Spielzeit 2019/2020 am Niedersächsische Staatstheater Hannover engagiert ist, den Thespis nun aus den Händen seiner Freunde und Kollegen Mareike Hein, Daniel Breitfelder und Philipp Basener entgegennehmen, die ihn in zuvor mit einer schrägen Montage aus Après-Ski-Dancefloor-Musik und alpinem Gstanzerl sowie einer bewegenden zweiten Laudatio bedacht hatten.

Damit würdigten sie einen Menschen, dem das Trio nicht nur eine brennende Leidenschaft für das Theater, sondern auch eine Freude am Exzess zuschrieb.

Der Auftritt der so genannten "Dreistigkeit" bildete den Höhepunkt und Abschluss einer mehr als zweistündigen Festveranstaltung, die trotz eines überaus vollen Programms um Kürze zumindest bemüht war. Allerdings galt es, neben Tuschy auch noch weitere Mitarbeiter des Theater Bonn zu ehren.

So erhielt Andreas Stubenrauch, der seit nunmehr 25 Jahren als Inspizient am Haus tätig ist, einen Sonderpreis, während wie schon in den vergangenen Jahren zusätzlich noch die bemerkenswerteste Inszenierung der Spielzeit ausgezeichnet wurde. Die Jury entschied sich dabei für "Die heilige Johanna der Schlachthöfe" in der Regie von Laura Linnenbaum: Ihr "illusionszerstörendes Bühnenbild", in dem nach Aussage von Professor Kurt Tudyka den Schauspielern allerhand abverlangt wurde und das "mit zeitlosen Elementen des Kapitalismus" eine "eindrucksvolle Bildsprache" beheimatete, wurde dabei in besonderem Maße betont.

Linnenbaum, die wegen Proben in Saarbrücken nicht persönlich zugegen sein konnte, hob in einer Mail zudem die Aktualität des Stückes hervor, die leider immer noch bestehe.

"Die heilige Johanna der Schlachthöfe" verdeutlichte zugleich den Anspruch des Theater Bonn an einen politischen Diskurs mit theatralen Mitteln. Auf diese Profilschärfung wiesen nicht nur der Vorsitzende der Freunde der Kammerspiele, Konrad Lang, und Bürgermeisterin Angelica Kappel hin, sondern auch die scheidende Schauspieldirektorin Nicola Bramkamp.

"Wir wollen gesellschaftskritisches, politisches Theater machen", sagte sie und zeigte sich erfreut darüber, dass das Publikum nach anfänglicher Skepsis den Weg mitgegangen sei, wie ein Einnahmerekord im Schauspielbereich belege. "Wir haben in den vergangenen fünf Jahren immer wieder versucht, Helden und Heldinnen zu zeigen, die gegen Missstände aufbegehren. Denn wir brauchen Menschen, die aufstehen - und zwar auf als auch hinter der Bühne. So wie Hajo Tuschy, der eines der rührigsten Ensemblemitglieder war, mit Kritik nie hinterm Berg hielt und sozial extrem engagiert war und ist."