Glattgebügelter Mainstream

Wincent Weiss begeistert 4000 Teenager auf dem Kunstrasen

Das Publikum ist von Wincent Weiss begeistert.

Das Publikum ist von Wincent Weiss begeistert.

Bonn. Im vergangenen Jahr spielte er noch im Vorprogramm von Sarah Connor, jetzt steht er als Haupt-Act auf der Bühne des KunstRasens vor knapp 4000 kreischenden Teenagern: Wincent Weiss.

Wincent Weiss ist eine Art Teflon-Musiker. Einer, der keinerlei Reibungsfläche bietet, sich nicht angreifbar macht und fröhlich in jenem Mainstream schwimmt, der in einst gebar. Der charmante 25-jährige Sonnyboy mit den Gute-Laune-Pop-Songs, die im Radio in Dauerschleife laufen, ist einfach zu nett, um ihm für irgendetwas böse sein zu können. Und zu erfolgreich, um ihn zu ignorieren.

Im vergangenen Jahr spielte er noch im Vorprogramm von Sarah Connor, jetzt steht er als Haupt-Act auf der Bühne des KunstRasens vor knapp 4000 kreischenden Teenagern, die Weiss feiern wie einen Messias des Pop, auch oder wahrscheinlich gerade weil seine Lieder trotz mancher Rock-Einlagen letztlich ebenso glattgebügelt sind wie er selbst, ohne großen Tiefgang, aber eben auch ohne Konfliktpotenzial. Alles ist schön, voller Harmonie und guter Laune. Vielen Menschen genügt das. Und die lieben eben Wincent Weiss, der mit seinen Hymnen auf die Liebe und die Freundschaft den Soundtrack zu jener illusorischen Glückseligkeit beisteuert.

Dabei macht dieser seine Sache wirklich gut. Leidenschaftslosigkeit kann man ihm ebenso wenig vorwerfen wie einen fehlenden Kontakt zum Publikum. Schon beim zweiten Lied steigt er hinab in die Menge, schüttelt Hände, strahlt in Handys. Guter Junge. Zugegeben, die Show ist durchaus vorhersehbar, angefangen bei dem unbändigen Jubel bei dem Opener "Betonherz“ über  die ekstatische Mitsing-Aufforderung bei „Musik sein“ bis hin zur Konfetti-Kannonade bei „Feuerwerk“. Aber zumindest wirkt Wincent Weiss dabei unverkrampft, auch wenn die Texte sich mitunter schmerzhaft unter dem ganzen Kitsch krümmen.

„Regenbogen, Regenbogen, und der Regen einen Bogen macht“, lautet der Refrain zum gleichnamigen Lied, und der Text ist keineswegs tiefsinniger. Aber gut, Sprüche wie aus dem Poesiebüchlein eines verträumten Fünftklässlers gelten schließlich auch als süß. Vor allem, wenn sie gut gemeint sind und mit gefälligen Harmonien untermalt werden. Wenn dann die richtigen Worte fehlen, genügt das.

Das Publikum ist auf jeden Fall restlos begeistert von Weiss, jubelt ihm ein ums andere Mal zu und bettelt um musikalisches Wohlgefühl. Gerne, warum nicht? Für die Fans wird es somit ein schöner Abend, zumal der Charmebolzen irgendwann auch LEA aus dem Vorprogramm auf die Bühne bittet, was zu besonders intensive Kreisch-Attacken führt. Dabei war musikalisch die Bonner Formation "Steal A Taxi" weitaus überzeugender und setzte mit intelligenten Songs ein Zeichen. So kann Pop sein. Oder eben so wie die Musik von Wincent Weiss.