Contra-Kreis-Theater in Bonn

"Willy 100 - Im Zweifel für die Freiheit" eröffnet die neue Spielzeit

Szene aus dem Stück: "Willy - Im Zweifel für die Freiheit": mit Juliane Köster (v.l.), Nicolas Weidtman, Robert Seiler als junger Willy Brandt und Mirko Böttcher.

BONN. Berlin, September 1936: Die Olympischen Spiele sind gerade vorüber. Dem NS-Regime mag es zum Teil sogar gelungen sein, das Dritte Reich gegenüber der Auslandspresse und dem eigenen Volk als gastfreundlich und weltoffen zu präsentieren: "Seht her, wir sind doch gar nicht so."

Der junge Sozialist Herbert Frahm, 22, weiß es besser. Er ist in die "Reichshauptstadt" gekommen, um als Kurier im Auftrag der marxistisch ausgerichteten Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (SAPD) Verbindung mit Genossen im Untergrund aufzunehmen und den Widerstand vor Ort mit den Aktivitäten der SAPD im Ausland abzustimmen.

Offiziell arbeitet er als norwegischer Journalist in Berlin. Der Pass allerdings, der ihn als Gunnar Gaasland ausweist, ist falsch und wird Frahm bis Dezember 1936 noch ins Schwitzen bringen.

Von diesen drei Monaten im Leben des am 18. Dezember 1913 in Lübeck als Herbert Ernst Karl Frahm geborenen, späteren Regierenden Bürgermeisters von Berlin (1957 bis 1966) und Bundeskanzlers (1969 bis 1974) Willy Brandt erzählt das Stück "Willy 100 - Im Zweifel für die Freiheit", von Johann Jakob Wurster, das am Donnerstag, 28. August, Premiere im Contra Kreis Theater feiert.

Der Theaterabend mit Musik zu Brandts 100. Geburtstag wurde in Zusammenarbeit mit der Bundeskanzler Willy Brandt Stiftung und der Norwegisch-Deutschen Brandt-Stiftung konzipiert und am 12. Dezember 2013 im Neuen Stadthaus in Berlin uraufgeführt, wo es eine erfolgreiche und von der Kritik gefeierte Saison erlebte. Dort ist Horst Johanning darauf aufmerksam geworden und hat das Ensemble um Wurster sozusagen vom Fleck weg engagiert.

Für Wurster ist das Stück eine spannende Geschichtsstunde aus einem sehr persönlichen Blickwinkel heraus und ein exponiertes Beispiel für Zivilcourage, die Politikerpersönlichkeiten wie Willy Brandt ausgezeichnet habe. Denn die Lage des 22-jährigen Sozialisten ist prekär: zum Beispiel als ein norwegischer Landsmann seine Sprachkenntnisse auf die Probe stellt und sich zu allem Überfluss noch als Bewunderer Hitlers erweist.

Oder als der vermeintliche Gunnar Gaasland nach Wochen seinen Pass abholt und jeden Moment mit seiner Verhaftung rechnet. Während der rechtmäßige Besitzer der Papiere in Norwegen mit Brandts Lübecker Jugendfreundin Gertrud "Trudel" Meyer verheiratet ist und ihr, die bis 1939 mit Willy Brandt zusammenlebte, die norwegische Staatsangehörigkeit verschafft hat.

Der Berliner Schauspieler Robert Seiler leiht dem jungen Herbert Frahm Gesicht und Stimme, wohingegen alle anderen Darsteller gleich mehrere Rollen übernehmen und auch singen. Vier Stücke im Barber-Shop-Swing lockern die Handlung auf. Und auch der musikalische Leiter Thomas Lotz bekommt seinen Auftritt.

"Willy Brandt hat 1936 erfahren, wie es ist, mit stumpfer Klinge gegen ein Monstrum zu kämpfen. Die Klinge bricht immer wieder ab, und zuletzt geht es darum, sich selbst in Sicherheit zu bringen", fasst Wurster zusammen. "Dennoch waren diese Wochen für Brandts spätere Arbeit entscheidend: wie wichtig den Menschen ihr alltägliches Leben ist und welche Rolle die Politik spielt."

Info

Bis 14. September. Karten unter anderem in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen