Stiftskirche Bonn

Wiener Kammerchor mit geistlicher Musik

BONN. Das Programm des Konzerts mit dem Wiener Kammerchor und dem L'Orfeo Kammerorchester in der Stiftskirche zeigte unter dem Titel "Beethoven andachtsvoll" den Komponisten im geistlichen Gewande. Die zur Aufführung gekommenen Werke verband zudem eine hürdenreiche Rezeptionsgeschichte.

Die Messe C-Dur op. 86 etwa wurde von Auftraggeber Fürst Nikolaus II. Esterhazy nach der Uraufführung zurückgewiesen. In der Stiftskirche erklangen drei Hymnen daraus in der deutschen Alternativfassung von Benedict Scholz.

In der Kantate auf den Tod Kaiser Josephs II lagen die Probleme etwas anders: Das Werk des jungen Beethoven überforderte seinerzeit die Bläser, so dass die geplante Uraufführung erst einmal nicht stattfinden konnte. Quasi als Intermezzo erklang im Konzert der Elegische Gesang für Chor mit Begleitung eines Streichquartetts.

Ähnlich wie die Rezeptionsgeschichte der Werke musste auch deren Aufführung in der Stiftskirche Hürden überwinden: Krankheitsbedingt hatte Michi Gaigg das Dirigat abgesagt - für sie sprang der junge Dirigent Michael Grohotlsky ein, der zuverlässig und einfühlsam agierte.

Den Solopart von Stefanie Iranyi (Alt) übernahm kurzfristig Barbara Hölzl - mit angenehm klarem Duktus. Außerdem sangen Siri Karoline Thornhill (Sopran), Christian Zenker (Tenor) und Markus Volpert (Bariton).

Der Wiener Kammerchor überzeugte mit warmer Tongebung und subtilen dynamischen Facetten. Die Akustik der Kirche allerdings legte auch der Aufführung Steine in den Weg - sowohl Chor als auch Solisten waren textlich schwer zu verstehen, und das Orchester hätte man sich transparenter gewünscht. Ein Manko, das jedoch die große Leistung nicht infrage stellte.

Als Zugabe nach langem Applaus folgte der Schlusschor aus der Kantate zur Krönung von Leopold II., dem Nachfolger von Kaiser Joseph II.