Künstlerforum Bonn

Wie ein filmisches Panoptikum

Blick in die Foto-Ausstellung. FOTO: CHRISTINA ZU MECKLENBURG

Blick in die Foto-Ausstellung.

BONN. Solch eine inspirierte und inspirierende Bilderflut, wie die aktuelle hat wohl niemals zuvor die Wände des Künstlerforums in Beschlag genommen.

Versammelt ist hier derzeit unter dem Motto "Liegen - Sitzen - Stehen - Gehen - Springen - Fliegen/Fallen" das starke Konvolut von rund 3000 Fotografien, eine Lektüre, für die man Tage investieren könnte. Doch die Zeit drängt, um sich anhand dieses "Gesamtkunstwerks" (Kuratoren Boris Nieslony, Gerhard Dirmoser, Köln) ein aufschlussreiches Bild darüber zu machen "Was Menschen tun - und wie" (Untertitel).

Performer Nieslony und Diagrammatiker Dirmoser haben für dieses, der Video- und Performancekunst nahestehende Megaprojekt Nieslonys renommierte Sammlung (40.000 Einträge) systematisch durchforstet. Die vornehmlich aus Zeitschriften (etwa "Der Spiegel"), Magazinen, Katalogen und Büchern stammenden Exponate verdichten sich nunmehr zu einem Weltenkaleidoskop, gespickt mit historischen, kulturellen, politischen, soziologischen und existenziellen Bezügen.

Mit den per Titel heraufbeschworenen sieben Bewegungsmodalitäten korrespondieren Videoverschnitte aus der internationalen Performanceszene, aufbereitet von Roland Bergere. Begleitet wird die komplexe Bewegungsanalyse weiterhin durch Natalie Brücks (HBK Saar) amüsanten Beitrag zur Bonner Videonale ("Are we all in the picture?").

Das teils erheiternde, erfrischende, verblüffende sowie nahegehende, bewegende Universum von aus dem Kontext gelösten Farb- und Schwarz-Weiß-Aufnahmen folgt einer straffen, programmatischen Auffächerung. Vor den Augen läuft fast filmähnlich ein Panoptikum ab, das auf vertikale, horizontale, gelegentlich diagonale Lesarten setzt.

Die hiermit gekoppelte frei motivische Assoziation setzt auf komparatistische Studien. Auftakt zum Aspekt "Liegen" bilden multiple Betrachtungen zum Thema Geburt; derweil offenbart sich unter der Rubrik "Sitzen" etwa ein ungeahnter Variationsreichtum an wahrgenommenen Sitzgelegenheiten. Der Aktionsklassiker "Gehen" entfesselt eine regiegesteuerte Entwicklung von Massenbewegungen zu solistischen Natureroberungen. Mit allerlei Kuriositäten und Absurditäten wartet das finale Bewegungscluster - gewidmet dem ewigen Traum vom beflügelten Menschen - auf.

Künstlerforum, Hochstadenring 22-24, bis 22. März. Di-Fr 15 bis 18 Uhr, Sa 14 bis 17 Uhr, So 11 bis 17 Uhr.