Haus der Springmaus

Werner Koczwara bietet illustres Absurditätenkabinett

Endenich. Ins Kabarett geht es wie folgt: Sie lösen an der Kasse ein kleines Inhaberpapier und mieten eine Ausblick gewährende Anlage - im Volksmund auch Stuhl genannt. Sollte es sich bei dem freundlichen Herrn dort oben auf der Bühne um den aus Schwäbisch Gmünd stammenden Werner Koczwara handeln, könnte sich der Vertragsabschluss für Sie durchaus lohnen.

Könnte? Er tut es. So haben jetzt die Zuschauer im ausverkauften Haus der Springmaus entschieden ... und recht daran getan. Obwohl unmissverständliche Aussagen wie diese an einem Abend unter dem Motto "Am achten Tag schuf Gott den Rechtsanwalt" schwerlich zu erwarten sind.

Wobei wiederum niemand befürchten muss, dass im Verlaufe der nächsten zwei Stunden sämtliche im "Schönfelder" - der Juristenbibel - zwischen zwei signalroten Buchdeckeln versammelten und "gefühlten drei Milliarden Paragrafen" durchgearbeitet werden. Koczwara müsste kein Schwabe sein, um sich nicht auch hier in Sparsamkeit zu üben: "Wir schaffen höchstens zehn Prozent."

Sagt er und lächelt süffisant, um sich direkt im Anschluss einem seiner Lieblingsthemen zu widmen: dem Reiserecht. Und dieses illustre Absurditätenkabinett ist genauerer Betrachtung mehr als würdig, wie die ausgesprochen kurzweilige erste Hälfte des Programms beweist.

Zu viele Einheimische am Strand? Ein rutschiger Steinfußboden, der es den Urlaubern unmöglich macht, ihre partnerschaftlichen Rituale so zu vollziehen wie daheim gemeinhin üblich? Alltag bei Gericht. Stellt sich die Frage, ob Kolumbus seinerzeit eine Reiserechtsklage hätte einreichen sollen. Sinnvoller scheint Koczwara jedoch ein Punktesystem wie in Flensburg für alle zu klagelustigen Zeitgenossen: "Bei 18 Punkten ist der Pass weg." Spätestens zu Beginn der zweiten Hälfte mag der eine oder andere im Publikum bedauern, nicht Jura studiert zu haben. Aber halt, nicht so schnell: Ganz so amüsant wie Koczwaras Tutorium wird das unter Umständen nicht. Also lösen Sie doch lieber bei nächster Gelegenheit ein weiteres Inhaberpapier, anstatt von nun an mit dem BGB unter dem Kopfkissen zu schlafen ...