Rasta Thomas' "Romeo and Juliet"

Wenn Teenager träumen

Geschmeidige Bewegungen: Preston Swovelin und Jordan Lombardi tanzen den Pas des Deux aus "Romeo and Juliet".

Geschmeidige Bewegungen: Preston Swovelin und Jordan Lombardi tanzen den Pas des Deux aus "Romeo and Juliet".

Natürlich hat es etwas von Video-Clip-Ästhetik, wenn die Capulets und Montagues sich in den Straßen von Verona zum groovenden Rap von RUN-DMCs "Walk this way" in die Haare kriegen, oder die dreizehnjährige Julia (Jordan Lombardi) zur Musik von Katy Perrys "Teenage Dream" nach ihrem Liebsten, Romeo, schmachtet und im Hintergrund Bildprojektionen und fiebrige Lichteffekte die Bühne in ein Farbenmeer tauchen

Der Amerikaner Rasta Thomas, der vor Jahren mit seiner Show "Rock the Ballet" einen energiegeladenen Genre-Mix aus Pop und Modern Dance schuf, will nun mit "Romeo und Julia" zeigen, dass man auch mit kurzen Clips einen großen erzählerischen Bogen spannen kann. Im Bonner Opernhaus, wo das Stück am Dienstagabend die Premiere eines sechstägigen Gastspiels feierte, kann man derzeit erleben, dass dies gelingt - wenn auch die Tiefe des Originals nicht erreicht wird.

Aber dies ist selbst Sergej Prokofjew nicht wirklich gelungen, aus dessen wunderbarer Musik zum Ballett "Romeo und Julia" sich Thomas' Version ausgiebig bedient. Überhaupt ist die Auswahl der ausschließlich von Band kommenden Musik eine ziemlich wilde Mischung.

Die Pop-Hits der letzten Jahrzehnte vom Police-Klassiker "Every Breathe You Take" über Alphavilles "Forever Young" bis hin zu Lady Gagas "The Edge of Glory" und den noch sehr jungen Indie-Stars Awolnation, die mit "Sail" vertreten sind, werden gleichsam durch das Band der klassischen Musik zusammengehalten: Vivaldis unverwüstliche "Vier Jahreszeiten" und Prokofjews Ballettmusik fungieren in Rasta Thomas' Shakespeare-Adaption wie Leitmotive, die dem Geschehen auf der Bühne immer wieder eine bemerkenswerte Tiefe verleihen, es sozusagen emotional erden.

Ihren großen Liebes-Pas-des-Deux unterm kitschig leuchtenden Vollmond tanzen Romeo (Preston Swovelin) und Julia sogar zu der ahnungsvoll elegischen Musik aus Samuel Barbers berühmtem "Adagio". Swovelin und Lombardi zeigen in ihren geschmeidigen Bewegungsabläufen, dass der klassische Tanz den Rock-the-Ballet-Stars sehr vertraut ist.

Für die fantasievolle Choreografie ist Rasta Thomas' Frau Adrienne Canterna verantwortlich, die auch schon die Rolle der Julia getanzt hat. Die Stile, die sie für die Show nutzt, sind so vielfältig wie die Musik: Julia, ganz Mädchen aus gutem Hause, muss auch schon mal Spitze tanzen, während der immer finster dreinschauende Tybalt (Kyle Lucia) und seine Truppe mit Hip-Hop-Elementen und artistischen Sprüngen zeigen, dass ihre Heimat die Straße ist. Tybalt ist ein aggressiver Borderliner, dessen große Leidenschaft der Kampfsport ist. Ihm möchte man nicht auf der Straße begegnen. In den Kampfszenen fliegen die muskulösen Körper der Tänzer mit Ehrfurcht gebietender Wucht und Rasanz über die Bühne.

Canterna verbindet diese extrem heterogenen klassischen und zeitgenössischen Tanzstile, denen man an diesem Abend auf der Bühne begegnet, souverän zu einem erstaunlich stimmigen Ganzen. Dass das getanzte Sterben des hingemordeten Mercutio (Jarvis McKinley) so grotesk lang dauert, liegt ein bisschen auch an Prokofjews musikalischer Vorlage, die an dieser Stelle zum Einsatz kommt.

Die Show wartet auch in den weiteren Nebenrollen mit sehr guten Tänzern auf. Da ist etwa der hoch gewachsene, mit kraftvoller Eleganz tanzende Eric Lehn als Graf Paris oder die eine gewisse Noblesse ausstrahlende Jourdan Epstein als Amme. Insgesamt ein großartiges Ensemble, das den begeisterten Applaus am Ende der nicht ganz ausverkauften Premiere hoch verdient hatte.

Dieser Reaktion des Publikums nach zu urteilen, könnte das Experiment der Sommerbespielung im Bonner Opernhaus glücken.

Weitere Vorstellungen: 9., 10., 11. und 12. Juli, jeweils 20 Uhr, am 11. Juli gibt es eine zusätzliche Nachmittagsvorstellung um 16 Uhr. Karten in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen.