"New York Paintings" in der kunstgaleriebonn

Wenn Elefanten träumen

Bonn. Die kunstgaleriebonn zeigt die "New York Paintings" des Malers John Zinsser und deren Geschichte. Der 51-Jährige schöpft aus einem unermesslichen, atemberaubenden Fundus.

Wenn man mit dem New Yorker Maler John Zinsser über seine Bilder spricht, ist man sehr schnell bei van Gogh, beim deutschen Expressionismus und beim amerikanischen Abstrakten Expressionismus, bei Pollock und de Kooning und bei den Pinselspuren, die Baselitz auf der Leinwand hinterlässt. Zinsser schöpft aus einem unermesslichen, atemberaubenden Fundus.

Der 51-Jährige hat die jüngere Malereigeschichte durchdrungen, kennt die Meister. Umso überraschender ist es, wenn man seine Bilder in der kunstgaleriebonn sieht: Leicht und unverkrampft in der Anmutung, konsequent und eigenständig im Verfolgen einer eigenen Linie präsentieren sich seine Leinwände. Malereitheorie und Kunstgeschichte, die intensive Auseinandersetzung mit Vorläufern sowie Fragen einer künstlerischen Ideologie sind nicht abgebildet, scheinen keine Rolle in Zinssers abstrakter Malerei zu spielen. Zumindest nicht sichtbar.

Was auf der Leinwand als expressiv auf Mattrot hingeworfenes Gitter in Hochglanzrot anmutet oder sich in pastosen Serpentinen über den Bildgrund windet, folgt, anders als erwartet, keiner spontanen Geste, sondern ist kalkuliert. Einen Hinweis auf Zinssers Arbeitsweise geben seine "File Studies", Karteikarten, auf denen er Bildideen und Materialkombinationen durchspielt.

Die Experimente auf Karteikarten haben einen technischen Hintergrund: Zinsser arbeitet in der Regel einerseits mit industrieller Farbe, zum Beispiel Heizkörperlack, andererseits mit künstlerischer Ölfarbe und kostbaren Pigmenten. Die Farben werden kombiniert, jede reagiert unterschiedlich. In den "File Studies" bringt der Künstler die jeweiligen Farben zusammen, beobachtet die chemische, physikalische und ästhetische Reaktion.

Bilder suggerieren eine gewisse Räumlichkeit

Alles wird in Abständen von einigen Tagen protokolliert, kleine Zeichnungen spielen durch, wie man die Farben kombinieren könnte. Ein "Looks good" oder sogar "Looks really good" quittiert das gelungene Experiment.

Weitere Karteikarten verraten explizit, was aus dem Experiment werden soll: Zum Beispiel ist ein postkartengroßer lila Kringel auf schwarzem Grund das Grundmodul für ein Riesenformat mit dem Titel "Elephant Dreams", das 2011 auf der "NADA Art Fair" gezeigt werden sollte. Der wunderbare Traum des Elefanten ist jetzt auch in der kunstgaleriebonn zu sehen. Wie auch die passende Karteikarte, die verrät, wie es dazu kam.

Das Wechselspiel von Farben, die mal flüchtig wie ein Hauch die Leinwand überziehen, mal daumendick wie ein Relief daherkommen, führt zu Bildern, die eine gewisse Räumlichkeit suggerieren. Die heißen "Saints and Ghosts", "The Lonely One" oder "Possible Places".

Zu diesem Bild sagt Zinsser: "Dieses Farbgitter könnte auch ein Zaun sein, hinter dem sich die Landschaft öffnet", und dann ist er gleich bei Frank Stella und Robert Ryman, für die derlei Illusionsmus eine Todsünde wäre. Das Schöne an Zinssers Bildern: Sie funktionieren mit und ohne theoretischen Überbau.

Kunstgaleriebonn, Lotharstraße 106, Villa Faupel; bis 27. April. Di-Fr 13-18, Sa 11-15 Uhr. Katalog (Weidle Verlag) 25 Euro.