Boulevard-Komödie

Wellness zwischen Troisdorf und Eifel

Komödie voller wahnsinniger Überraschungen: René Toussaint, Jochen Busse und Billie Zöckler in einer Szene aus "Pantoffel-Panther".

Komödie voller wahnsinniger Überraschungen: René Toussaint, Jochen Busse und Billie Zöckler in einer Szene aus "Pantoffel-Panther".

Bonn. Premiere im Contra-Kreis-Theater: Kabarettist Jochen Busse brilliert in der Komödie „Pantoffel-Panther“. Lars Albaum und Dietmar Jacobs haben ihm und dem Ensemble ein Stück voll unverschämter Spottlust geschrieben.

Das Leben im Ruhestand wird traumhaft. Endlich Zeit für all die schönen Dinge, auf die man lange verzichten musste. Röschen strahlt bei dem Gedanken an Kreuzfahrten, Inselparadiese und champagnerselige Abende. Schließlich ist sie seit Jahrzehnten verheiratet mit einem tollen, erfolgreichen, wohlhabenden Mann. Der hat ein Vermögen verdient als Exklusiv-Vertreter feinster italienischer Lederpantoffeln. Leider sind die edlen Hausschuhe nicht mehr gefragt. Pantoffel-König Hasso ist pleite. Was er als notorischer Gentleman seinem Röschen tapfer verschwiegen hat. Eine Alltagstragödie, die im Contra-Kreis jedoch flugs zu einer Komödie voller wahnsinniger Überraschungen mutiert, die bei der ausverkauften Premiere einen Beifallssturm entfachte.

Der Auftritt von Kabarett-Grandseigneur Jochen Busse im bizarren Hähnchenkostüm ist nur einer der herrlich durchgeknallten Einfälle, die das dramaturgisch virtuose Autoren-Duo Lars Albaum und Dietmar Jacobs dem munteren Ensemble auf den Leib geschrieben hat. Für die mit atemberaubendem Tempo prasselnden Pointen sorgt Regisseur Horst Johanning, der jetzt zum vierten Mal ein Stück der beiden Sprachspieler in seinem Bonner Theater zur Uraufführung gebracht hat. Angeblich sichere Renten oder Renditen, Crystal Meth in grünen Aktentaschen, helvetische Fußballwunder und Wellness zwischen Troisdorf und Eifel: Nichts ist in gut zweieinhalb Stunden sicher vor der unverschämten Spottlust des blitzgescheiten Teams.

Als Fels in der Brandung zwischen Gerichtsvollzieher, Knast und heißer Kohle behauptet Jochen Busse eiserne Haltung. Marlon Brandos Don Corleone hat er ebenfalls drauf, wenn die Sache echt gefährlich wird. Denn der plötzlich hereingeschneite Italiener Luigi hat’s nicht so mit Absätzen und Einlagen. Dafür aber einen Auftrag für den Panther, der heimlich in einer kleinbürgerlichen Bonner Wohnung haust (Bühnenbild: Tom Grasshof) und mit Bügelfalten-Gesicht den Biedermann gibt. Das mächtige Mammut, Konkurrent im Drogengeschäft von Luigis ehrenwerter Familie, soll verschwinden. Marko Pustišek ganz in Schwarz (Kostüme: Anja Saafan) spielt den coolen Mafia-Typen geradezu kriminell perfekt.

Was sich in einer irrsinnigen Volte trifft mit dem tiefsitzenden Mutterkomplex von Hassos Freund Rüdiger, der logischerweise als Psychoanalytiker sein Geld verdient. René Toussaint ist als leicht verstörter tollpatschiger Seelenklempner ein komödiantischer Schatz. Zusammen mit Busse gibt er ein Amateurkiller-Duo, dem keine Waffe standhält. Zumal in der bleihaltigen Luft die zierliche Billie Zöckler als naiv blinzelndes Röschen zwischen Shopping-Orgien die Küchenmesser für den Festbraten wetzt („Hasso hat’s gern ein bisschen blutig“), was Luigi auf eine ordentlich zerlegte Leiche hoffen lässt. Dass der junge Dekorateur Milan (köstlich: Raphael Grosch) exzellenten Stoff verkauft, könnte ein Indiz dafür sein, dass die 93-jährige Nachbarin wie Oma auf Crack rumläuft.

Hassos junge Kollegin Babsi (entzückend: Mia Geese, Enkelin von Contra-Kreis-Gründerin Katinka Hoffmann und im Jungen Theater Bonn mehrfach aufgetreten) hat eher Probleme mit dem Geruch von Grillhühnern. Als tolerantes Mädel wirklich keins mit Herren in Unterhosen – alles bleibt hier brav über der Gürtellinie.

Fast täglich bis zum 15.Mai. Tickets in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen.