Jubiläumsfeier im Pantheon

WDR feiert im Bonner Pantheon 50 Jahre "Unterhaltung am Wochenende"

Grüße aus der Schweiz: Lara Stoll im Pantheon.

Grüße aus der Schweiz: Lara Stoll im Pantheon.

Bonn. Diese Sendung ist eine Institution des politischen Kabaretts: Der WDR feiert im Bonner Pantheon 50 Jahre „Unterhaltung am Wochenende“. Die Aufzeichnung wird am Samstag gesendet.

Am Anfang war Hanns Dieter Hüsch. Und Helmut Qualtinger. Und Fanz Josef Diegenhardt. Eine Satire, eine Glosse, dazu Jazz, Schlager und aberwitzige Kochrezepte für die brave Hausfrau, die an einem Samstagnachmittag im Dezember 1967 bis dato Unerhörtes aus dem Radio vernahm: Die erste Folge der „Unterhaltung am Wochenende“, mit der das (politische) Kabarett und die Liedermacher-Kunst zum ersten Mal live und ungeschnitten über den Äther gingen. Bissig, wild und ohne Maulkorb, die Reichen und Mächtigen verlachend und das Wirtschaftswunder kritisch hinterfragend.

Im Vergleich zu Sendungen wie „Stell dich ein zum Stelldichein“, „Humor in Dur und Moll“ oder „Oh alte Schnulzenherrlichkeit“ war das neue, anfangs von Hüsch moderierte Format eine Revolution. Und dann irgendwann eine Tradition. Seit nunmehr 50 Jahren läuft die „Unterhaltung am Wochenende“ – ein Jubiläum, das nun im Pantheon zusammen mit der 98. Ausgabe des WDR Kabarettfests aus Bonn gefeiert wurde.

Moderator Tobias Mann konnte dabei neben den Veteranen Jochen Malmsheimer, Christian Ehring und Lars Reichow auch die in Deutschland bislang eher unbekannte Lara Stoll begrüßen, die sich sogleich mal mit dem Sandmännchen einließ, um endlich wieder Schlafsand statt Amphetamine in die Augen gestreut zu bekommen, eine Schnarch-Serenade auf einen Balkenraspler sang und letztlich zur Freude des Publikums mehr von sich preisgab, als man von Helene Fischer jemals sehen möchte. Ein starker Beitrag, sah man einmal von den Musik-Einlagen ab. Die können andere besser.

Lars Reichow zum Beispiel, der am Klavier immer eine gute Figur macht. Anlässlich seines neuen Programms „Lust“ stürzte er sich aber auch in ausgiebige Wortbeiträge, wetterte gegen die AfD samt ihrer Wähler, gegen die sich selbst demontierende SPD und gegen jene, die zwar die EU abschaffen wollen, die Diäten aus Brüssel aber dankend annehmen.

Gute Punkte, auch wenn die Pointen nicht immer zündeten. Gleiches galt für Christian Ehring, der allerdings mit seinem satirischen Ton über das Leben mit einem phlegmatischen Sohn und die idealisierte Landlust seiner Frau immer wieder für Lacher sorgte. Für den Höhepunkt sorgte dennoch ein anderer: Jochen Malmsheimer, der mit der ihm eigenen Wortmagie der „Unterhaltung am Wochenende“ huldigte, den Wert von zwei Minuten im Radio betonte und nahezu beiläufig eine der besten Abhandlungen über die Komik in den Saal schmetterte, die je von einer Kabarettbühne erklungen sind. Dass so etwas überhaupt möglich ist, dürfte nicht zuletzt dem besagten Jubiläums-Format geschuldet sein, das für viele Künstler als Sprungbrett diente. Und hoffentlich noch 50 weitere Jahre dienen wird.

WDR 5 sendet die Aufzeichnung der Sonderausgabe des Kabarettfests am kommenden Samstag, 9. Dezember, um 15.05 Uhr.