Der wunderbare Waschsalon

Uwe Schröders Studentenwohnheim Rom.Hof in der Bonner Siemensstraße eröffnet

BONN. Der Architekturkritiker Andreas Denk erinnert sich an einen Sonntagmorgen, an dem er das neue Bauwerk des Bonner Architekten Uwe Schröder, den Rom.Hof an der Siemensstraße in Dransdorf besuchte, um sich für die Eröffnung vorzubereiten.

Im Allerheiligsten dieses viergeschossigen Baus, der wie ein steingewordener römischer Traum mit einem Hauch von Moschee anmutet, traf er ein bizarres Publikum: Jugendliche aus der Nachbarschaft, die sich vor dem Flachbildschirm durchs Programm zappten und es sich mit einer Büchse Bier gemütlich gemacht hatten. Schröders Rom.Hof ist - bis in die Abendstunden - ein offenes Haus.

Das Allerheiligste ist nicht die Kapelle, sondern ein im Zentrum angelegter wunderbarer Waschsalon mit Sitzgelegenheiten, Fernseher und einer strahlenden Sonne, die der Bonner Detlef Beer an die Decke gemalt hat. 93 Strahlen zählt man. 93 Strahlen, die ebenso vielen Studenten entsprechen, die in Schröders Rom.Hof wohnen. Einen Stock tiefer prangen in der gemütlichen Gemeinschaftsküche 93 Sterne an der Decke. Jeder hat einen Namen. Der steht jeweils in einem der Studentenappartments, die überschaubaren Komfort, kleine Loggia inklusive, mit der Aura einer Mönchszelle verbinden.

Bei Schröder ist alles durchdacht, von der Materialwahl über die Abwicklung der Räume, von den Blickachsen und ästhetischen Überraschungen bis hin zu einer zwingenden Funktionalität. Der Rom.Hof fügt sich ein in eine faszinierende Reihe herausragender Schröder-Bauten in Bonn: das "Haus hundertacht" an der Lotharstraße, die Prager Höfe in Bonn-Auerberg, das Haus am Cöllenhof in Endenich...

Beim Rom.Hof gruppieren sich die Wohnzellen um zwei Innenhöfe, die bereits von den Studenten zum Grillen und Chillen genutzt werden. Auch der Mitteltrakt aus Gemeinschaftsküche, Waschsalon und Sport-und-Spiel-Etage (Kicker, Crosstrainer) findet seine Freunde. Mit seinen weithin sichtbaren, in Etagen angelegten Rundbogenöffnungen und der markanten Backsteinoptik mutet Schröders Bau in diesem Quartier sehr fremd an. Es ist eine südländisch anmutende Architektur, die gleichermaßen ihre Fühler zum Klassizismus des 19. Jahrhunderts ausstreckt wie auch den Kontakt zur Malerei sucht: In Giorgio de Chiricos surrealer, häufig menschenleerer "Pittura metafisica" finden sich derlei kubische Bauten mit Rundbogenöffnungen.

Andreas Denk, Chefredakteur der Zeitschrift "der architekt", hat etliche Bezüge zu den Universitätsbauten aufgetan, die der preußische Staat im 19. Jahrhundert in Poppelsdorf errichtete, fand auch Parallelen zwischen dem Rom.Hof und einfacher Ziegel-Wohnarchitektur in Bonn um 1860. Auch eine Nähe zu realisierten Bauten und klassizistischen Idealentwürfen von Leo von Klenze oder Karl Friedrich Schinkel drängt sich auf - ein Schelm, der bei Beers strahlendem Himmel über dem Waschsalon nicht an Schinkels legendäre Bühnenbildentwürfe zur "Zauberflöte" denkt.

Ein malerisches Phänomen

Schröders Bau ist auch eine Art Bühne mit Erlebnisräumen und Durchblicken, und er ist auch ein Stück Malerei. Wie der Bau, von der Rückseite her gesehen, in der Wiese liegt, mutet wie eine gemalte oder gezeichnete Vision an. Wie sich das Muster der in der Sockelzone kompakt rot auftretenden Backsteine - je höher man kommt - durch immer häufiger auftretende beigefarbene Steine auflockert, sich der Bau also optisch nach oben hin gleichsam entmaterialisiert, ist ein malerisches Phänomen. Gebaute Strenge und Symmetrie treffen auf eine Reihe von Elementen, die das Spielerische, Flüchtige und Atmosphärische betonen. Licht und Schatten gehören dazu, besonders schön zu erleben im Waschsalon und in den Höfen.

Dass Schröders Architektur sehr offen für bildende Kunst ist, wissen wir nicht erst seit den geglückten Interventionen im Cöllenhof und in den Prager Höfen. Vier Künstler der kunstgaleriebonn setzten in dem von der Miwo verwalteten Studentenwohnheim Rom.Hof Akzente. Neben Detlef Beer, der sich im Mitteltrakt an den Decken ausgebreitet hat, sind es Albert Weis, Werner Haypeter und David Semper.

Sempers Arbeiten muss man suchen: Der mit Verblüffungs- und Camouflageeffekten arbeitende Wuppertaler lässt kleine Materialpartikel in der Wand aufblühen. Weis "öffnet" gleichsam eine geschlossene Wand durch eine spiegelnde Silberfolie, unter der sich ein gefaltetes Papier befindet. Für Haypeters Kunst muss man in den Untergrund. Und es muss dunkel sein: In der Tiefgarage glimmt Leuchtfarbenmalerei auf, Vertikale Linien gliedern den Parkraum.

Adresse

Uwe Schröders Studentenwohnheim Rom.Hof befindet sich an der Dransdorfer Siemensstraße 144.