Schumannhaus in Bonn

Unter einem hauchzarten Klangschleier

BONN. Das Gedenken an den 1916 in Bonn geborenen Pianisten Karlrobert Kreiten ist dem Verein Schumannhaus/Bonner Schumannfest seit langem ein Anliegen. Am 7. September 1943 wurde der Meisterschüler Claudio Arraus wegen "Wehrkraftzersetzung" hingerichtet.

Zu seinem 70. Todestag im Rahmenprogramm des Beethovenfestes spielte der 24-jährige englische Pianist Jamie Bergin, zurzeit Student bei Lars Vogt, ein Gedenkkonzert im Schumannhaus. Mit dem postum veröffentlichten Nocturne in cis-Moll von Frédéric Chopin als Zugabe ließ er den Abend ausklingen - ein Stück, das auch der Widmungsträger in seinem Repertoire hatte, ein Stück, das die Leitmusik bildet in dem Film "Der Pianist" über den jüdischen Musiker W. Szpilman.

Schumanns Papillons lagen in Bergins Interpretation unter einem hauchzarten, poetischen Klangschleier. Klangbilder beschwor er - mit Debussys Images, Heft II, herauf. Ein Block war Chopin gewidmet, Intimität erzeugend mit der Berceuse, der Barcarole sowie den vier Mazurkas op. 33; brillant erklang das Scherzo cis-Moll.

Krönender Abschluss: eine fulminante Darbietung der h-Moll-Sonate. Bergin überzeugte durchgängig mit seinem ausgeprägten Sinn für Klangzauberei und seiner frappierenden technischen Souveränität. Das Publikum reagierte begeistert.