Ausstellungen in Bonn

Unter der Oberfläche

Bonn. Der deutsch-iranische Künstler Rozbeh Asmani zeigt sein Projekt „Besetzte Farben“ in der Gesellschaft für Kunst und Gestaltung. Im benachbarten Künstlerforum stellen Stipendiaten des Georg-Meistermann-Stipendiums aus.

Es ist immer spannend, den subkutanen Gemeinsamkeiten, die eine Gesellschaft miteinander verbinden, nachzugehen. Die auf den ersten Blick unsichtbaren Fäden des gemeinschaftlich Erlebten oder Erinnerten an die Oberfläche und damit oft erst ins Bewusstsein zu holen.

Der deutsch-iranische Künstler Rozbeh Asmani widmet sich seit 2011 solch einem Projekt und zeigt nun die Ergebnisse dieser künstlerischen Studie in der Gesellschaft für Kunst und Gestaltung.

Projekt „Besetzte Farben“ in der Gesellschaft für Kunst und Gestaltung

„Besetzte Farben“ spürt unserem kollektiven Farbgedächtnis nach und was auf den ersten Blick als konkrete Kunst durchgehen könnte, bezieht sich in Wahrheit auf handfeste Designkonzepte einer durchgestalteten Umwelt. Bei den quadratischen Farbtafeln aus Asmanis Werkserie „Colourmarks“ handelt es sich um rechtlich geschützte Markenfarben zumeist großer Unternehmen.

Wie machtvoll deren suggestive Kraft ist, wissen wir allein schon deshalb, weil wir mit dem Klang von Firmennamen wie Post, Telekom, Lidl, Nivea oder Milka sofort bestimmte Farben oder Farbkombinationen vor uns sehen.

Beispiele von aus Unternehmenssicht erfolgreicher Prägung, sprich Branding. 75 solcher Farbmarken hat Rozbeh Asmani zusammengetragen, auf Alu-Dibond drucken lassen und ohne Erklärung im Raum verteilt, wie eine Essenz der allgegenwärtigen Markenkonkurrenz. Hat er damit die Farben aus ihrem kapitalistischen Kontext gelöst und in eine Kunstwelt geholt, in der normalerweise andere Regeln gelten? Oder hat er nicht vielmehr die Trennlinie zwischen Kunst und einer Warenwelt, in der wir ohnehin immer mit einem Bein stehen, verschoben, wenn nicht aufgehoben?

Ein Thema, das nicht nur Asmani (Jahrgang 1983) beschäftigt, sondern bei einer jungen Künstlergeneration derzeit in der Luft liegt.

Gesellschaft für Kunst und Gestaltung, Hochstadenring 22; bis 11. September, Mi-Fr 15-18, Sa 14-17, So 11-17 Uhr.

Projekt der Stipendiaten des Georg-Meistermann-Stipendiums

Nur noch gezählte Tage läuft im benachbarten Künstlerforum ein hervorragendes Projekt: Unter dem Motto „Europa“ präsentieren Christoph Knecht und Verena Schöttmer, Stipendiaten des Georg-Meistermann-Stipendiums (Cusanuswerk, Bonn) aktuelle Kostproben aus ihrem zur Neige gegangenen Förderstudium.

Der 1983 in Düsseldorf geborene Christoph Knecht ist Meisterschüler von Peter Doigt (Kunstakademie Düsseldorf), derweil seine Stipendiaten-Kollegin Verena Schöttmer (Jahrgang 1978) ihr Examen an der Hamburger Hochschule für Bildende Künste ablegte.

Den räumlich getrennten Installationen (Parterre: Knecht) gemeinsam sind ein frisches, handwerkliches Instrumentarium, komplexe Analysen von Kulturgeschichte schlechthin sowie von Esprit getragene Verwandlungsspiele, die Themen und Motive in einem stets neuen Licht aufleuchten lassen.

Das kommunikative Scharnier bildet das mehrfach (etwa per Druck) eingeblendete, aus der Antike stammende Terrakotta-Motiv: Europa und der Stier. Mit Öl-, Acryl- und Wasserfarben sowie mit den Medium Scherenschnitt und glasierten Keramikfliesen setzt Knecht Ergründungen frei, die Bereiche wie Grenze, Sprache, Ursprung und Identität oder Tradition einkreisen.

Hinter bizarren Stillleben verschanzt sich die eigenwillige Übersetzung arabischer Zitate. Transkulturelle Mannigfaltigkeit ebenso wie Spannungsfelder speichern Szenenskizzen, Embleme, Ornamente einer bis zur Decke reichende, in Blautönen erstrahlenden Keramikfliesenwand. Glanzlicht am Rande bildet der eingedeutschte Renner „Döner“ (Öl auf Bronze).

Das nachdenklich grundierte, raffinierte Experimentieren mit unkonventionellen Werkstoffen setzt sich oben fort. Auf Samt, Seide, gebleichten Jeansstoff und sachte überklebte oder vernähte Stoffmuster bannt die Kollegin bezwingende Linoleumdrucke und abstrakte Stoffpoesien. Mit einem Quäntchen Humor beschwört die Assemblage „Sie war nie in Paris“ unsterbliche Sehnsüchte sowie Klischees herauf.

Künstlerforum, Hochstadenring 22-24, bis 24. Juli. Di-Fr 15 bis 18 Uhr, Sa 14 bis 17 Uhr, So 11 bis 17 Uhr.