Camerata musicale in der Uni-Aula

Tschaikowskis tönende Winterträume

Die junge Geigerin Liv Migdal war Solistin in Wieniawskis Violinkonzert Nr. 2.

Bonn. So großer Andrang wie selten herrschte in der Uni-Aula als die Camerata musicale zum Sinfoniekonzert lud. Martin Kirchharz dirigierte - ob des großen Publikumsinteresses mit gut viertelstündiger Verspätung - Peter Tschaikowskis erste Sinfonie und das Violinkonzert op. 14 von Henryk Wieniawski, zwei romantische Raritäten, beides ungestüme Jugendwerke, beide gewiss eine nicht zu geringe Herausforderung für das Orchester.

Und das machte seine Sache sehr ordentlich, gerade bei Tschaikowskis "Winterträume" betitelter Sinfonie, einem gerade im Finalsatz nicht enden wollenden Fugatorausch. Diesen fing das Orchester genauso gut ein wie die stimmungsvollen Charakterzeichnungen, die Tschaikowski mit Tönen von Russlands winterlicher Landschaft malt.

Als Solistin für das Wieniawski-Konzert hatte man Liv Migdal engagiert, die gerade mit einer neuen Solo-CD von sich reden macht. Ihr Potenzial konnte sie an diesem Abend jedoch nur bedingt entfalten, drückte das Orchester hier wie auch bei der Tschaikowski-Sinfonie zu sehr auf die Bremse. Kirchharz hielt die Camerata musicale gut zusammen, die mit zahlreichen schönen Einzelleistungen punkten konnte. So war der Streicherklang durchweg homogen und auch Holz- wie Blechbläser überzeugten mit zahlreichen guten Stellen.

Allerdings klang das vor extrovertiert zur Schau gestellter Virtuosität eigentlich nur so strotzende Wieniawski-Konzert insgesamt fast schon ein wenig zu harmlos und zu schön, das virtuose Feuer fehlte weitgehend. So blieb auch Migdals Virtuositätsreserve bis auf wenige Stellen ungenutzt. Dafür entschädigte sie mit romantischem Schönklang und einer Bach-Zugabe.