Wie einst Mary und Gordy

Travestieshow im Schauspielhaus Bonn

Dagmar Dangereux und Irma Jung: Daniel Breitfelder (links) und Johannes Brüssau haben nicht nur die Haare schön.

Dagmar Dangereux und Irma Jung: Daniel Breitfelder (links) und Johannes Brüssau haben nicht nur die Haare schön.

Bonn. Die Travestieshow „Der Wind hat mir kein Lied erzählt“ hat am Freitag Premiere im Schauspielhaus Bonn. Daniel Breitfelder und Johannes Brüssau verkörpern Dagma und Irma.

Wer am 9. September 2017 in den Kammerspielen Bad Godesberg saß, sollte diesen Augenblick nicht vergessen. Im zweiten Teil der Aufführung von „Bonnopoly“ (Untertitel: „Das WCCB, die Stadt und ihr Ausverkauf“) betrat Daniel Breitfelder als Doppelgänger von Jürgen Nimptsch die Bühne und forderte: „Durch Bonn muss ein Sparschwein gehen.“ Der Schauspieler glich dem ehemaligen Stadtoberhaupt bis aufs Haar: Man konnte sich gar nicht sattsehen an der koketten Parodie.

Verwandlungskunst gehört zu den Grundkompetenzen eines Schauspielers. Breitfelder wechselt die Rollen, aber immer wieder auch das Geschlecht. Zuletzt spielte er in der Werkstatt die Zofe Solange in Jean Genets „Die Zofen“. Am Freitag verwandelt er sich wieder in Dagmar Dangereux – eine Rolle, in der er beim Theaterfest zur Eröffnung dieser Spielzeit draußen vorm Theater zu erleben war.

Jetzt will Dagmar Dangereux auch das Innere des Schauspielhauses erobern, mit der neuen Reihe „Der Wind hat mir kein Lied erzählt“. Breitfelder wird gemeinsam mit Johannes Brüssau als Irma Jung eine Travestieshow präsentieren. Was erwartet das Publikum? Wir erreichen Breitfelder telefonisch im Schauspielhaus, wo im Foyer alles für Freitagabend vorbereitet wird. Breitfelder und Brüssau wollen an eine aus ihrer Sicht verloren gegangene Art und Weise anknüpfen, Travestie auf die Bühne zu bringen.

Die Zuschauer sollen ein Programm genießen, das nach alter Schule aussieht. Große Vorbilder sind Mary und Gordy, genauer: Mary Morgan und Gordy Blanche, die in den 1980er Jahren Furore machten und deren Ton- und Humorlage Breitfelder bewundert. Georg Preuße war Mary, Reiner Kohler verkörperte Gordy, man konnte ihnen in den 1980ern auf der Bühne und im Fernsehen nicht entkommen. „Es wird eine Reise in die Vergangenheit“, sagt Breitfelder. Edel und nicht zotig, wer Karnevalsnummern erwartet, wird enttäuscht. Regie führt Sebastian Kreyer, mit dem der Schauspieler für das Stück „Der Entertainer“ zusammengearbeitet hat.

Premiere findet am Freitag statt

In der Premiere am 12. Dezember 2015 absolvierte Breitfelder als Frank eine 15-minütige Travestieeinlage. Damit war die Idee eines abendfüllenden Programms geboren, das Eduard Flemmer am Klavier begleitet. Vor einem Jahr erlebte es in der Fabrik 45 das Licht der Theaterwelt.

Lieder von Barbara und Judy Garland verspricht Breitfelder. Auch Bertolt Brecht wird an diesem „nachdenklichen, besinnlichen und ein bisschen traurigen Abend“ zu Wort kommen, für den sich die eine Hälfte des Duos Dangereux und Jung leidenschaftlich einsetzt. Ein gut sortierter Spielplan, insistiert er, verträgt neben Stoffen wie der „Orestie“ einen Abend, an dem das Publikum einfach mal lachen und sich erfreuen darf – und sich von den Kostümen verzaubern lässt.

Nach der Premiere treten Breitfelder und Brüssau, der eine Tanz- und Musicalausbildung genossen hat, wieder am 31. Dezember auf. Und danach regelmäßig ein- bis zweimal im Monat. Gern würden sie à la Harald Schmidt ein tagesaktuelles Cabaret auf die Bühne bringen, das unmittelbar aufs Zeitgeschehen eingeht: „Das ist ein Traum.“

Premiere am Freitag, 7. Dezember, 21 Uhr, im Schauspielhaus. Weiterer Termin am Montag, 31. Dezember. Karten (17,40 Euro) in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen.