Bad Godesberger Kammerspiele

Theatergemeinde lud zu einer Grundsatzdiskussion

Diskussion übers Theater in den Kammerspielen Bad Godesberg.

Bad Godesberg. Bei der Podiumsdiskussion über die Zukunft des Bonner Theaters ging schon nach den ersten Statements die Post ab. Kurt Tudyka von den Freunden der Kammerspiele hatte in die akut vom Spardiktat bedrohten Kammerspiele zum Thema "Wie kann man aus Passanten Besucher machen?" eingeladen.

Heutige Schüler brauchten unbedingt sie fürs Theater begeisternde Pädagogen oder Elternhäuser, sonst gelte diese Kunstrichtung als "total uncool", berichtete Ex-Lehrer Theodor Cramer aus der Praxis. Studenten könnten sich kaum einen Theaterbesuch leisten und seien ohnehin von Semesterzeitdruck geplagt, sprach Doktorand Timo Duile Klartext.

"Und Leute meiner Generation gehen eigentlich lieber nach Köln in ein Stück, weil da auch das Umfeld für den Ausklang des Abends stimmt", warf Rainer Warnecke von der Bundesnetzagentur ein. Sie warte auf den Tag, an dem sie im Bonner Theater mit ihrem Kopftuch nicht "als Marsmännchen" angestarrt werde, machte Hülya Dogan vom Kulturausschuss ein weiteres Fass auf.

Aber eigentlich sei es mit dem Bonner Theater allen Unkenrufen zum Trotz doch überhaupt nicht schlecht bestellt, warf Elisabeth Einecke-Klövekorn von der Theatergemeinde in die Diskussion ein. 80 Prozent Auslastung der Vorstellungen sprächen für sich. "Wir haben auch viele Schüler unter unseren Mitgliedern. Bonn kann zudem auf eine exzellente Jugendkultur etwa durch das Junge Theater stolz sein", so Einecke-Klövekorn.

Man verzeichne auch reichen Zuzug aus dem Rhein-Sieg- und dem Ahrkreis. "Ich bekomme Wutwallungen, wenn ich das akuelle Schimpfen über die sogenannte Hochkultur höre", assistierte ihr Dramaturg Christopher Hanf. Aber natürlich dürfe man die Augen nicht davor verschließen, dass ein Theater nach dem anderen schließen werde, wenn man sich nicht neu aufstelle.

Was als Stichwort für Plenum und Publikum galt, nach Lösungen zu suchen. "Ein Theater muss sich eben mehr der kulturellen Vielfalt seiner Bewohner öffnen, um mehr Bürger zu berühren", forderte Coletta Manemann, die Bonner Integrationsbeauftragte. "Ich will aber keinen Migrantenstadel, sondern auf Augenhöhe angesprochen werden", präzisierte Hülya Dogan. Heutiges Theater müsse sich dem gesellschaftlichen Wandel stellen und neue Wege wagen, müsse in die Stadt hineingehen, brachte der Kölner Journalist Detlev Baur ein.

Theater dürfe auf keinen Fall markstrategischen Überlegungen unterworfen werden, warnte Dramaturg Hanf. "Wir müssen uns auf unsere Stärken besinnen. Wir müssen uns als das Forum verstehen, in dem wir fragen können, wo eigentlich noch unsere Werte sind." Was ihm viel Beifall einbrachte.

Auch bei leeren städtischen Kassen müsse ein Theater einen langen Atem für die Kunst haben dürfen, forderte eine Frau ein. Theater müsse Haltung haben dürfen. "Das hat Bonn in den letzten Jahren gefehlt", assistierte ihr ein Mann. Man rette bitte unbedingt die Kammerspiele, forderten dann zahlreiche Teilnehmende.

"In Godesberg sind sie noch das Einzige, was Qualität hat. Sonst ist der gesamte Stadtteil heruntergerockt", klagte eine Frau unter Applaus. Man erwarte von der Stadt und der Bezirksbürgermeisterin endlich ein klares Votum. "Sonst nehmen sie den gänzlichen Verfall Bad Godesbergs billigend in Kauf."