"The Piper of Hamelin" auf Bonner Bühne

In Chor- und Kirchenmusikkreisen ist John Rutter mega-in. Und doch hat es seine Kinderoper "The Piper of Hamelin", 1980 in Cambridge uraufgeführt, 30 Jahre lang nicht auf eine deutsche Bühne geschafft.

Bonn. In Chor- und Kirchenmusikkreisen ist John Rutter mega-in. Seine der traditionellen Tonalität verpflichtete, aber melodisch und rhythmisch originelle Musik erfreut sich seit Jahren einer wachsenden Fangemeinde. Und doch hat es seine Kinderoper "The Piper of Hamelin", 1980 in Cambridge uraufgeführt, 30 Jahre lang nicht auf eine deutsche Bühne geschafft.

Bis sich Thomas Honickel mit dem Beethoven-Orchester Bonn (BOB) und den neu gegründeten "Bobbys Klassik Choirs" dahinterklemmte und die von Rutter vertonte Geschichte des Rattenfängers von Hameln in intensiver einjähriger Probenarbeit einstudierte.

Das Ergebnis ist phänomenal. Getragen von einem spielfreudigen BOB in Kammerbesetzung machen im Volksbankhaus 80 Sänger zwischen 6 und 60 Theater, spannendes, lustiges und nachdenkliches Musiktheater. Und damit auch jeder versteht, worum es geht, sind die gesprochenen Dialogtexte ins Deutsche übertragen. Die Ratten müssen weg, darüber sind sich in Hameln alle einig. Da kommt der "Piper" wie gerufen, der das Ungeziefer wie versprochen mit seinem Flötenspiel in die Weser lockt und die Bürger so von der furchtbaren Plage befreit.

Schade nur, dass der trunksüchtige Bürgermeister und der korrupte Stadtrat so lange munter einen draufgemacht haben, dass sie kein Geld mehr für die Bezahlung des Rattenfängers übrig haben. Der sieht sich gezwungen, die Kinder der Stadt in eine bessere Welt zu entführen - mit einer berückend schönen Weise ("I can show you a joyous land"), die wie alle anderen Lieder der Oper im englischen Original gesungen wird.

Scarlett Pulwey meistert die eingängigen, aber streckenweise anspruchsvollen Melodien des Titelparts sicher; ihr Sopran leuchtet mit den von BOB-Solistin Mariska van der Sande soufflierten Flötentönen um die Wette.

Nicht minder überzeugend agieren Laura Iacovino als Lahmer Junge, Marco Agostini als Bürgermeister, das komplette Stadtrat-Ensemble sowie alle großen und kleinen Solisten der durch den Kinderchor der evangelischen Kirche Holzlar verstärkten Bobbys-Klassik-Chöre. Alle, die auf der mit einfachen Mitteln wirkungsvoll ausstaffierten Bühne stehen, können richtig gut singen. Das muss Bernhard Hoëcker nicht, aber seine Sprechrolle als mahnender Schreiber und Lehrer steht ihm trotzdem gut.