In der Philharmonie

"The 27 Club" erinnert in Köln an tote Rockhelden

Max Milner, kürzlich 28 Jahre alt geworden, lieferte bereits grandiose Vorstellungen als Kurt Cobain ab.

Max Milner, kürzlich 28 Jahre alt geworden, lieferte bereits grandiose Vorstellungen als Kurt Cobain ab.

BONN. „The 27 Club“ erinnert ab 7. August in der Kölner Philharmonie an Idole von Jimi Hendrix bis Amy Winehouse. Die Künstler treffen die Originale dabei täuschend echt.

Man findet ihn am 3. Juli 1969 leblos im Swimmingpool seines Anwesens in Hartfield, Sussex. Brian Jones, gerade von den Bandkollegen geschasstes Gründungsmitglied der Rolling Stones, wurde nur 27 Jahre alt. Offizielle Todesursache: „Tod durch Ertrinken unter Einfluss von Alkohol und Drogen“. Bis heute halten sich Gerüchte, dass der Musiker ermordet worden sei. Jimi Hendrix stirbt am 18. September 1970 mit 27 Jahren, die Todesursache laut Autopsiebericht: „Einatmen von Erbrochenem unter Einfluss von betäubenden Substanzen“.

Wenige Wochen später, am 4. Oktober 1970, folgt ihnen Janis Joplin, die ebenfalls nur 27 Jahre alt wird. Todesursache: Überdosis Heroin. Am Morgen des 3. Juli 1971 stirbt Jim Morrison mit 27 Jahren in Paris. Auch bei ihm sollen Betäubungsmittel im Spiel gewesen sein, die Todesursache wurde jedoch nie offiziell geklärt. Am 5. April 1994 schießt sich Nirvana-Frontmann Kurt Cobain mit einem Gewehr in den Kopf. Er wird ebenfalls nur 27 Jahre alt, genau wie Amy Winehouse, deren Leichnam am 23. Juli 2011 in London entdeckt wird. 4,16 Promille Alkohol im Blut haben sie umgebracht.

Diesen tragischen Reigen seliger Geister vereint die Rockrevue „The 27 Club“, die während des Kölner Sommerfestivals in der Philharmonie zu erleben sein wird. Die Grundidee der Show, in der 13 Musiker in die Rolle der längst zu Legendenstatus verklärten Rock- und Pop-Helden schlüpfen, ist schon ein bisschen morbide. Gemeint ist sie freilich als Hommage an die viel zu früh verstorbenen Stars.

Der Einfall dazu war dem Autor und Regisseur Toby Gough nach dem Tod von Amy Winehouse gekommen, heißt es. Bevor sie nach Köln kommt, war die Show bereits in verschiedenen europäischen Städten zu sehen, unter anderem auch in Zürich, wo sie in der Maag-Halle vom Publikum bejubelt wurde. Der Zuschauer erlebt keine traurige Gedenkfeier, sondern eine quietschlebendige Tribute-Show, in der die Musiker die großen Klassiker der verstorbenen Helden spielen. Von „Paint it Black“ (Rolling Stones) über „Voodoo Child“ (Hendrix) und „Piece of My Heart“ (Joplin) bis zu „Smells Like Teen Spirit“ („Nirvana) und „Back to Black“ (Winehouse).

Vorbild genau studiert

Dabei ist der Sound ebenso authentisch, wie es die Klamotten sind. Den Jimi Hendrix spielt Alix Anthony mit Perücke, Stirnband und Fransen – und auf einer Spezialanfertigung einer Gitarre, die zumindest den Eindruck erweckt, als spiele das rechtshändige Double wie das linkshändige Original auf einem Instrument, bei dem die Saiten in umgekehrter Reihenfolge aufgezogen wurden. Musikalisch und stimmlich macht Anthony seine Sache ausgezeichnet, trifft die Blues-Phrasierung auf der Gitarre ebenso wie Hendrix' Gesang.

Alix Anthony ist 31 Jahre alt, hat also wie die meisten Darsteller die kritische Altersgrenze überschritten. Deutlicher jedenfalls als Max Milner, der erst am 7. Februar dieses Jahres 28 Jahre alt geworden ist. Er liefert in Zürich eine grandiose Vorstellung als Kurt Cobain ab, wirkt wie die leibhaftige GrungeLegende. In „Smells Like Teen Spirit“ fehlen natürlich auch die Cheerleader nicht, die fleißig mit ihren Pompoms wedeln.

Conor Houston hat sein Vorbild ebenfalls sehr genau studiert. Er spielt in den Stones-Nummern Mick Jagger (der in der Realität freilich noch quicklebendig ist und die 27er Runde bald schon zum dritten Mal vollendet), springt mit dünnen Beinen über die Bühne und ist in Besitz einer Stimme, die den rotzigen Stil des Stones-Sängers sofort wiedererkennen lässt. Brian Jones, das ungeliebte Mitglied der Stones, bleibt auch in der Show ein tragischer Held: Paul Egan, der zweifellos ein guter Musiker ist, kann sein Vorbild natürlich nicht aus der zweiten Reihe hervorholen und verhindern, dass das Jagger-Double ihm die Show stiehlt.

Die mit reichlich Rockmusik erzählte Geschichte des „27 Club“ wird moderiert von der stimmgewaltigen und temperamentvollen Marion Campbell, nicht brav und bieder, wie man sich denken kann, sondern in Leder und Schottenrock-Fetzen. Sie ist ein Bühnentier, temperamentvoll, wild und mit einer grandiosen Stimme beschenkt. Sie hat sich in ihrer Wahlheimat Hamburg von „Hairspray“ über „Lion King“ und „Ella und Billie“ bis „Buddy Holly“ durch die reiche Palette der Musical-Inszenierung der Stadt gesungen. Außerdem hat sie, wie viele andere im 27-Team, eine Casting-Show-Vergangenheit. 2014 war Campbell Finalistin bei „The Voice of Germany“.

Termine: 7.-12. August in der Kölner Philharmonie. Karten unter anderem in Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen.