Opernsänger

Tenor Daniel Behle zu Gast im Beethoven-Haus

BONN. Im Kammermusiksaal des Beethoven-Hauses war mit Daniel Behle ein Sänger zu erleben, der im Opernfach gleichermaßen mit feuriger Italianità à la Verdi wie mit stimmlich regenerativem Mozart ("Zauberflöte" unter Jené Jacobs) für Furore sorgt und mit eben solchem Engagement den Liedgesang überzeugend pflegt.

Ausgestattet ist er dabei mit einer exzellenten Technik, die alle Register wunderbar lineal miteinander verbindet und an den Rändern (insbesondere in edelmetallisch strahlender Höhe) über reichlich Reserve zu verfügen scheint.

"Die Träne in jedem Ton" zu haben, wurde dem Ausnahme-Tenor Fritz Wunderlich nachgesagt. Behle hat das Potenzial, jenen singulären Gestalter stilistisch zu beerben. Wobei seine häufig lässig ans Klavier gelehnte Vortragshaltung deutlich macht, wie entäußernd souveräner Liedgesang tatsächlich ist: Behle wirkt hierbei jedoch absolut glaubwürdig.

Beethovens Zyklus op. 98, "An die ferne Geliebte", stand zu Beginn auf dem Programm, gefolgt von Brittens sechs Hölderlin-Fragmenten op. 61. Zum 25-jährigen Bestehen des Kammermusiksaals in der Bonngasse steuerte Behle als Überraschung seinen Ringelnatz-Zyklus, "eine Schöne Müllerin in Kurzform", bei, der allerdings bei arg dominantem Klavier (Alexander Schmalcz), insbesondere, was die Textverständlichkeit anbelangte, ein wenig zu kurz kam.

Nicht nur in einer anschließenden Auswahl von Strauss-Liedern sowie in dessen Zyklus op. 19 machte Behle eindrucksvoll Gebrauch von seinem dramatischen Gestaltungsvermögen, wobei "Morgen" (op., 24, Nr. 4) zu einer gestalterischen Sternstunde geriet.