Szenen aus der Hauptstadtgeschichte

Bonner Haus der Geschichte bietet letzten Teil "Mogadischu" im Palais Schaumburg

Bonn. Das dramatische Potenzial der Bonner Republik hatte das Euro Theater Central bereits 2004 in einer von Horst-Jürgen Winkel konzipierten Veranstaltungsreihe "Szenen aus der Bonner Hauptstadtgeschichte" erfolgreich vergegenwärtigt.

Die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland hat die Reihe zusammen mit dem Bundeskanzleramt in leicht veränderter Form als "Theater im Palais" ins Palais Schaumburg übernommen und mit dem letzten Teil "Mogadischu" wieder so viele Zuhörer an einen Originalschauplatz deutscher Demokratiegeschichte gelockt, dass der ehemalige Kabinettsspeisesaal sie kaum fassen konnte.

Zwischen dessen prächtigen Gobelins moderierte Geert Müller-Gerbes souverän die Szenen aus dem Deutschen Herbst 1977, die bedrückenden sechs Wochen also zwischen der Verschleppung Hanns Martin Schleyers am 5. September durch die RAF und der Auffindung seiner Leiche am 19. Oktober.

Die Sitzungen des Krisenstabes der Regierung unter Helmut Schmidt fanden zwar nicht mehr im alten Palais statt, sondern im 1976 bezogenen Neubau, in dessen nüchternem Kabinettssaal vor kurzem das Schauspiel Bonn mit seiner dokumentarischen Lesung "Herbst 77" diese düsteren historischen Tage wieder aufleben ließ.

Das Material dafür lieferte vor allem die unmittelbar nach der Beendigung des politischen Dramas vom Bundespresseamt herausgegebene detaillierte "Dokumentation zu den Ereignissen und Entscheidungen im Zusammenhang mit der Entführung von Hanns Martin Schleyer und der Lufthansa-Maschine ,Landshut'", an deren Erstellung der damals in der Inlandsabteilung dieses Amtes tätige Friedhelm Franken maßgeblich beteiligt war.

Im Palais Schaumburg hat er einiges daraus vorgelesen und sich zu den Hintergründen befragen lassen: rhetorisch elegant - schließlich wurde er nach seinem Abschied von der Politik einer der führenden Reden-Berater Deutschlands. Was am Kabinettstisch tatsächlich beraten wurde, hat der Jurist Volker Busse akribisch protokolliert.