Spiele(n) in der Antike

Studenten erarbeiten Ausstellung antiker Kunst

Bonn. Gemeinsam mit den Studenten der Klassischen Archäologie der Universität Bonn hat Frank Rumscheid, Direktor des Akademischen Kunstmuseums, eine Ausstellung erarbeitet.

Rollen- und Strategiespiele, Brett-, Ball-, und Würfelspiele, Glückspiel und Geschicklichkeitswettbewerbe: Alles schon da gewesen. Glaubt man der aktuellen Ausstellung des Akademischen Kunstmuseums, die am Sonntag – natürlich mit Kunst und Spielen – eröffnet wird, waren die alten Griechen und Römer ebenso verspielt wie die Menschen unserer Tage.

„Wir haben vielleicht keine Gamescom, aber eine gute Ausstellung zusammenbekommen“, schmunzelt Frank Rumscheid, Direktor des Museums, der das Thema „Spiele(n) in der Antike“ mit Studenten der Klassischen Archäologie an der Universität Bonn erarbeitet hat. Gemeinsam mit den Studenten und der Kustodin Kornelia Kressirer hat der Professor die Ausstellung realisiert. Entstanden ist eine spannende, anregende Mischung aus Kulturgeschichte und antiker Kunst, aus Recherche, Theorie und (Spiel-)Praxis.

Zu sehen ist etwa eine bemalte Vase – ein „Apulisch-rotfiguriger Volutenkrater“ –, um 360-350 v. Chr.: In einem als Tempelchen gestalteten Grabmal steht ein nackter, durchtrainierter Jüngling, der einen undefinierbaren Gegenstand in der Hand hält, zu dem ein Spitz emporspringt. Das Spieltier im Zusammenhang mit dem Grabkult gilt als Hinweis auf ein verstorbenes Kind. Die Gestalt des muskulösen Jünglings ist ein Hinweis auf den hohen gesellschaftlichen Status. Vielleicht ist die Gestalt auch einer schmerzlichen Vision der Eltern geschuldet, die ihrem Kind ein langes, gesundes Leben gewünscht hätten.

Der Spitz war offenbar der König der Spieltiere in der Antike. Etliche weitere Beispiele dieser beliebten Hunderasse finden sich in der Schau. Begehrt waren auch Tauben und Rehkitze, Wiesel, Hasen und Schildkröten. Musste es einmal ein größerer Spielgefährte sein, mit dem man seine Kräfte messen konnte, bot sich eine ausgewachsene Hausgans an: Der „Ganswürger“, der Gipsabguss eines hellenistischen Originals, zeigt einen nackten Knaben in Aktion. Das nicht minder aggressive Federvieh sträubt sich nach Kräften. Das Kinderspiel erscheint hier als Vorstufe zum antiken Mythos von Herakles im Ringkampf mit dem Löwen.

Das Spiel der Götter

Auch die Götter haben gespielt. So sieht man Eros mit einem Hirschkalb herumtollen, winzige Gemmen zeigen weitere Gottheiten bei der Zerstreuung, etwa beim Hahnekampf, bei dem auf die gefiederten Kontrahenten gewettet wurde. In der Ausstellung sind antike Jetons („symbola“ und „tesserae“ genannt) zu sehen, die beim Glücksspiel eingesetzt wurden, außerdem Würfel und Wurfknöchelchen, die „Astragale“– die Sprunggelenkknochen von Kälbern, Schafen und Ziegen. Beliebt waren die Würfel bei Kindern wie bei Erwachsenen. Letztere warfen aber um Geld.

Die Schau zeigt das Glücksspiel in allen Varianten, außerdem die zweite Freizeitbeschäftigung der Erwachsenen, das Trinkspiel: etwa der beim Symposium, dem Festgelage der Griechen und Etrusker zelebrierte „Kottabos“, in dem es auf Geschicklichkeit und Trinkfestigkeit ankam. Eine bemalte Schale dokumentiert ein solches Ritual, bei dem es darum ging, mit dem letzten Tropfen Weines aus einem Gefäß ein Ziel zu treffen.

Kaiser Augustus liebte das Würfelspiel

Doch nicht nur Gegenstände überliefern die Spielfreude der Griechen und Römer. Etliche antike Autoren haben sich damit befasst. So beschreibt der hellenistische Schriftsteller Apollonios von Rhodos im 3. Jahrhundert v. Chr., wie Eros mit Ganymed Würfel spielt und von Aphrodite erst zum Aufhören überredet werden kann, als sie ihm dafür einen wunderschönen Ball verspricht. In Homers Odyssee ist zu lesen, dass sich die Freier in Odysseus‘ Palast die Zeit des jahrelangen Wartens mit Brettspielen vertrieben. Und der Römer Sueton berichtet, Kaiser Augustus habe sich und seine Gäste beim Abendessen mit Würfelspiel um zum Teil hohe Geldsummen unterhalten.

Erstaunlich, wie wenig sich manche Objekte im Lauf der Jahrtausende verändert haben: Rasseln, Bälle, Püppchen, Murmeln und Würfel besitzen ihre Idealform seit der Antike. Eine Ausstellung über Spiele in der Antike ist nicht komplett, wenn nicht selbst gespielt werden kann. So haben die Archäologiestudenten einen Tisch aufgebaut, an dem man seine Künste bei der Rundmühle und der klassischen Mühle, beim „duodecim scripta“, einem Vorgänger des Backgammon, beim Geschicklichkeitsbrettspiel „Tris“ wie bei Varianten etlicher Wurfspiele testen kann. Wurfgeschosse wie Nüsse, Kastanien und echte Wurfknochen stehen zur Verfügung. Ab Sonntag sind die Spiele eröffnet.

Akademisches Kunstmuseum, Am Hofgarten 21; bis 14. Januar 2018. Di-Fr 15-17, So 11-18 Uhr. Eröffnung: 29. Oktober, 16 Uhr