Künstler plant Macke-Hommage

Stephan Balkenhol ist überall

Stephan Balkenhol arbeitet 2013 in seinem Atelier an einer Richard-Wagner-Skulptur für Leipzig. FOTO: DPA

Stephan Balkenhol arbeitet 2013 in seinem Atelier an einer Richard-Wagner-Skulptur für Leipzig. FOTO: DPA

Bonn. Nach dem Wagner-Denkmal in Leipzig plant Stephan Balkenhol für Bonn eine Macke-Hommage. Man darf gespannt sein.

Noch hält sich die Bonner Stiftung für Kunst und Kultur e.V. bedeckt, wenn es um Details der dritten Skulptur des Bonner Skulpturenparcours geht. Auf Markus Lüpertz' Hommage an Beethoven im Stadtgarten (2014), Tony Craggs Skulptur „Mean Average“ auf dem Remigiusplatz (2014) und Bernar Venets Stahlarbeit „Arc '89“ auf dem Trajektkreisel (2016) soll in diesem Jahr eine weitere Großskulptur folgen, Stephan Balkenhols „Hommage an August Macke“ für den Bonner Hofgarten.

Am Montag berät die neu eingerichtete Kunstkommission über Balkenhols Projekt. Das im April vergangenen Jahres berufene Gremium ist hochkarätig besetzt. Oberbürgermeister Ashok Sridharan hat den Vorsitz, Mitglieder sind unter anderem Kulturdezernent Martin Schumacher, Kunstmuseumsintendant Stephan Berg, der Intendant der Bundeskunsthalle, Rein Wolfs, die Direktorin des Bonner Kunstvereins, Michelle Cotton, der Direktor des Museums Ludwig in Köln, Yilmaz Dziewior, sowie die Direktorin des Museums Abteiberg in Mönchengladbach, Susanne Titz.

Wie Balkenhols Macke aussehen wird, ist bislang ein Geheimnis. Selbstporträts des Malers gibt es genug, an denen sich der Bildhauer orientieren könnte, der zu den populärsten Gegenwartskünstlern in Deutschland gehört. In vielen Sammlungen ist er mit seinen grob gefertigten, häufig kolorierten Holzskulpturen vertreten, etliche Kommunen von Hamburg bis Karlsruhe, von Kleve bis Bremerhaven zeigen seine Bronzeobjekte im Stadtbild.

Der 60-Jährige, der seit 1992 Professor an der Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe ist, ist begehrt. Warum? Hanno Rauterberg von der „Zeit“ befand unter dem Titel „Holzköppe für alle“, seine Kunst sei „frei von Pathos und Drängen, frei von Bedeutung und Ausdruck, frei von Überzeugung, Glauben, Kraft, frei von Schmerz, Leid, Verzweiflung, von Freude, Begehren, Überschwang.“ Das komme offenbar an.

An anderer Stelle schreibt er jedoch von Balkenhols „tumber, ewig gleicher Kunst“. Balkenhol selbst sagt über seine Kunst: „Meine Skulpturen erzählen keine Geschichten.

In ihnen versteckt sich etwas Geheimnisvolles. Es ist nicht meine Aufgabe, es zu enthüllen, sondern die des Zuschauers, es zu entdecken.“ Botschaften jeglicher Art sind ihm ebenso suspekt wie eine starke Expressivität.

In Leipzig hat der Künstler 2013 eine Wagner-Hommage realisiert. Er hatte sich in einen prominent besetzten Wettbewerb durchgesetzt, an dem sich unter anderem Carsten Nicolai und Neo Rauch beteiligt hatten. Balkenhol zeigt einen jungen Wagner, der die Rechte auf der Hüfte abstützt und mit erhobenem Haupt in die Ferne blickt. Er hat gerade seine erste Oper geschrieben, seine Karriere hat erst begonnen.

Hinter Wagner ragt ein 4,20 Meter hoher Schatten auf. „Ein kleiner Mensch, der vor seinem großen Werk steht, das über ihn hinauswächst“, erklärte Balkenhol.

Die Figur und ihr Schatten stehen auf dem Sockel, den einst Max Klinger schuf. Eines von mehreren gescheiterten Wagner-Denkmälern in Leipzig. Auch im Vorfeld von Balkenhols Wagner gab es heftige Debatten in der Kommune, die allerdings prinzipiell um ein Wagner-Denkmal und nicht um das Künstlerische kreisten.

Das Ensemble von Leipzig weckt Erwartungen für den Bonner Balkenhol. Wie wird er August Macke – einen Künstlerkollegen – sehen? Nach Lüpertz' pathosschwangerer und dabei tragischer Beethoven-Vision darf man auf Balkenhols Macke-Hommege gespannt sein.