Macht die wilde Welle

Standing Ovations für Axel Prahl in der Bonner Oper

Grandioser Entertainer: Axel Prahl an der Gitarre.

Grandioser Entertainer: Axel Prahl an der Gitarre.

Bonn. Der singende Schauspieler Axel Prahl und sein Insel-Orchester begeisterten am Sonntag in der Bonner Oper. Am Ende gibt es Standing Ovations.

Mitsingen? Darf man bei Axel Prahl gerne. Aber dann bitte richtig. Mit Achteln, zwischen die kein Blatt Papier passt, nach vorne drückendem Tempo und einer Lautstärke wie im Stadion von Sankt Pauli. Darauf legt der als „Tatort“-Kommissar bekannte Schauspieler, der so ganz nebenbei auch noch ein exzellenter Sänger ist, bei seinem Konzert in der Bonner Oper großen Wert. Und wehe, einer drückt sich.

Selbst die „Kinder des Olymp“ in den oberen Rängen werden an diesem Abend gnadenlos mit einbezogen und müssen sich gegenüber dem Zuchtmeister auf der Bühne beweisen. Was diese ebenso wie der Rest des Publikums nur zu gerne machen. Denn hinter der augenzwinkernden Bärbeißigkeit Prahls verbirgt sich eine Leidenschaft, die überaus ansteckend ist. Und jede Menge Spaß mit sich bringt.

Prahl ist ohne Zweifel ein grandioser Entertainer und vor allem in der ersten Konzerthälfte ein veritabler Clown, der sich immer wieder mit seinem Keyboarder, Arrangeur und Freund Danny Dziuk kabbelt und sich bei dem ein oder anderen Lied einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen kann. Mal feinsinnig, indem er Roy Blacks „Du bist nicht allein“ in eine tiefschwarze Mischung aus Country- und Grunge verwandelt, mal mit der Brechstange, indem er sich seine Weste über den Kopf zieht und bei Dziuks „Zu alt“ Bushido parodiert. Weitere eigensinnige Cover gesellen sich dazu, diesmal ernst gemeint und überzeugend dargeboten, auch dank des hervorragenden neunköpfigen Orchesters im Hintergrund. Und dazwischen schimmert immer wieder eine andere Seite von Prahl durch: die des wehmütig Liebenden, der seine Musik nutzt, um seine Gefühle zu verarbeiten.

Nach der Pause setzt Prahl dann ganz auf die Songs seines Albums „Blick aufs Mehr“, darunter das herrliche „Reise Reise“, die abgedrehte und in zahlreichen Soli ausartende „Polonaise Internationale“, die zauberhafte Alliterations-Ballade „Wilde Welle“ – und natürlich weitere Liebeslieder. Das Orchester brilliert, Prahl ohnehin, der es sichtlich genießt, die Gitarre im Arm, das Orchester im Rücken und eine Melodie auf den Lippen zu haben. Ebenso wie das Publikum, das am Ende mit stehenden Ovationen um ein weiteres gemeinsam gesungenes Lied in naher Zukunft bittet.