Ausstellungen in Bonn

Spuren auf der Leinwand

John Zinssers "Ecstasy of Animals" aus dem Jahr 2012.

08.05.2013 BONN. Neue Ausstellungen in der kunstgaleriebonn und im Kunstraum 21.

lKunstgaleriebonn. Mit Heiligen und Geistern hat er es, und er weiß die Ekstase der Tierwelt in Farbe und Form zu übersetzen: Der New Yorker John Zinsser gibt seinen ausdrucksstarken abstrakten Gemälden aus verschlungenen Bahnen, kompakten Formgittern und Mustern, die an den Rorschach-Test erinnern, per Titel Hinweise mit. Im vergangenen Jahr widmete ihm die kunstgaleriebonn eine Einzelausstellung. Jetzt zieht sie mit einem überzeugenden Konzept nach: Unter dem Motto "Reason and Belonging" breitet die Galerie das Koordinatensystem des Malers aus, zeigt neben einer Auswahl von Zinsser-Bildern Kollegen, die er verehrt, die ihn bewegen. Da sind große Namen darunter wie Robert Ryman und Max Cole, Rudolf de Crignis, Peter Tollens und Michael Toenges, Marcia Hafif und Joseph Marioni.

Der Galerie ist das Kunststück gelungen, von all diesen geistesverwandten abstrakten Malern exzellente, repräsentative Arbeiten zusammen zu holen. Es ist zwar spannend, aber müßig, Parallelen zwischen Zinsser und seinen Fixsternen zu suchen. Die Verwandtschaft funktioniert auf einer anderen Ebene. Und der Künstler, der am ehesten noch als Stichwortgeber für Zinsser identifizierbar ist, fehlt in der Schau: David Reed. Vieles, was Zinsser malt, wirkt wie eine Radikalisierung und Brutalisierung von Reed. Auch das Prinzip, das eigene System auf Karteikarten zu erklären, verbindet beide Maler.

Info: Kunstgaleriebonn, Lotharstraße 106; bis 21. Juni. Di-Fr 14-18, Do 14-22, Sa 11-15 Uhr

Kunstraum 21. Galerist Hans Vetter hält mit seiner neuen Ausstellung "INBONN II" Wort und fährt fort mit der Vorstellung seiner Künstler in dem von Köln nach Bonn gewechselten Kunstraum 21. In vier Tranchen will Vetter 2013 die Künstler seines Programms präsentieren, im kommenden Jahr soll es dann vier bis sechs Einzel-ausstellungen geben. Bei der aktuellen Sortierung fallen exzellente Großformate des Japaners Hideaki Yamanobe ins Auge, die farblich extrem zurückhaltend sind, in der Machart - Kratzspuren eines Bambusrechens, der als Rakel eingesetzt wurde - ein ungeheures Potenzial entfalten. Die faszinierende Kölnerin Hella Berent setzt im Aquarell und mit Gouache ihre Licht-Raum-Experimente fort. Das fast zwei Meter hohe Blatt "Syria At the Shoreline", 2012 entstanden, demonstriert mit ihren vertikalen Spuren die ganze zeichnerische Kraft dieser Künstlerin. Eine kleine Gouache von 1998 erlaubt einen Rückblick.

Die gebürtige Wienerin Andrea Morein ist mit der Arbeit "Quantum" - Lichtspuren und grafische Elemente auf Aluminium - vertreten, zeigt außerdem unter dem Titel "Volvolée Volupté" ein fein verästeltes Liniengewebe, das sie gewissermaßen in der Luft schweben lässt. Der Effekt ist der Technik geschuldet: Durch Marker auf Transparentpapier erscheint die Linie als entfesseltes Phänomen. Ein Ausrufezeichen setzt Vetter mit einer überarbeiteten Schwarz-Weiß-Fotografie (1981) des 2003 gestorbenen Bildhauers Holger Tibo. Spannend auch ein kleines Amerika-Bild von 1976.

Info: Kunstraum 21, Adolfstraße 36; bis 15. Juni. Di-Fr 14-18, Sa 11-14 Uhr (Thomas Kliemann)