"Spirit of Gospel" gibt mitreißendes Benefizkonzert

In der Mehlemer Kirche St. Severin - Sprühende Lebendigkeit und tiefe Emotionen

Bad Godesberg-Mehlem. Hunderte von Menschen im Kirchenraum wiegen sich im Rhythmus von links und nach rechts, recken die Hände empor, tragen symbolisch den Allmächtigen. "Lift your savior up" ("Erhebet den Retter") heißt das Lied, mit dem "Spirit of Gospel" die Zuhörer in St. Severin in einen kollektiven Gospelrausch gestürzt hat.

Auftritte von "Spirit of Gospel", dem Gospelchor des Seelsorgeverbands Süd, sind weniger Konzerte als packende Gemeinschaftserlebnisse, Mitsingen und Mitmachen sind erwünscht. "Suchen Sie sich ruhig dort hinten noch Plätze, sie müssen sich heute noch öfter bewegen", ermuntert Chorleiter Michael Langenbach-Glintenkamp diejenigen, die sich noch unschlüssig am Eingang herumdrücken. Leichter gesagt als getan - selbst auf beiden Emporen herrscht drangvolle Enge.

Der stark besetzte Chor, in purpurne Gewänder gehüllt und in fünf Reihen im Altarraum aufgestellt, gibt schon im ersten Lied ("Come let us adore him" - "Kommt, lasst uns ihn anbeten") alles, schraubt den Refrain von Tonstufe zu Tonstufe höher und gleichsam dem Himmel entgegen.

Sofort springt der Funke über, lassen sich die Zuhörer von der sprühenden Lebendigkeit und der unverstellten Emotionalität der Musik anstecken. Von so viel Begeisterung in Kirchenmauern können Pfarrer meist nur träumen. Michael Langenbach-Glintenkamp liefert am E-Piano mit agilem Spiel das harmonische Fundament, Dietmar Dietrich bedient ein minimalistisches Schlagwerk aus Cajon (Rhythmuskiste) und Trommel und sorgt für pointierten Rhythmus, der Chor ist ein einziges Energiebündel.

Geradezu ekstatisch kommt "You are holy" ("Du bist heilig") daher, ruhige Kraft strahlt "Who knows but you Lord" aus ("Wer weiß außer Dir, Gott"), als leidenschaftliches Bekenntnis gibt sich "God kept me" ("Gott hat mich aufgefangen").

In insgesamt achtzehn Nummern durchmisst "Spirit of Gospel" den Gefühlskosmos zwischen Andacht, Inbrunst, tranceartiger Beschwörung und urwüchsiger Kraftentfaltung. Und dass Gospel eine höchst aktuelle Musikform ist, belegen zwei Songs, die Petra Glintenkamp geschrieben hat und im Programm uraufgeführt werden. Sie hat auch die einfallsreiche Choreographie aus Gesten, Klatschen und Fußstampfen erdacht, mit der die Songs bei Bedarf wirkungsvoll unterstützt werden.

Mitten im Konzert dann wird es besinnlich. Während draußen die Dämmerung heraufzieht, verteilen die Sänger Kerzen ans Publikum, an denen ein Zettel befestigt ist. "Du kannst ein Licht sein", steht darauf, eine Vision, die im sanften "His name will shine" ("Sein Name wird erstrahlen") aufgegriffen wird. "Es wäre schön, wenn von hier ein Lichtermeer ausgehen würde", wünscht sich Michael Langenbach-Glintenkamp.

Und noch einmal spielt die Lichtsymbolik eine Rolle. Denn die Veranstaltung ist ein Benefiz-Konzert für das "Weihnachtslicht" des General-Anzeigers. 1128,50 Euro lassen die beglückten Zuhörer in den Spendenkörben - ein weiterer Gönner stockt den Betrag auf runde 1200 Euro auf.