Kunstkabinett Hennig

Spannung und Entspannung mit Krochka

Krochkas Werke erzählen vom Verrinnen der Zeit.

Bonn. Sobald es dunkelt, mobilisiert Krochka ihr breites Repertoire an Tuschen, Federn und kleinformatigen Papieren. Was in Nachtarbeit in ihrem Pariser Miniaturatelier in jüngster Zeit entsteht, sind engmaschige Geflechte, horizontale gestaffelte Linienverläufe und vorwiegend Tuschzeichnungen, die durch ihre schlaufenartige Zeilengrafik an Manuskripte erinnern.

Jedem, von Hochkonzentration, Stille, Intensität und Sensibilität geprägtem Entwurf liegt ein Kernraster, eine Grundmelodie zugrunde, die jedoch im Laufe dahinfließender Kompositionen konterkariert wird durch leise Brüche, Lücken und größere Intervalle.

Evoziert wird auf diese Weise ein zwischen Dichte und Auslösung, Spannung und Entspannung pendelnder Rhythmus. Die zeichnerischen Studien des 1939 in Paris geborenen Naturtalentes sind im Grunde subtile Aggregate, lyrisch anmutende, in einer minutiösen Geheimsprache codierte Gedankenströme, Meditationen, die das langsame Verrinnen der Zeit ins Bewusstsein rufen. Die melancholisch oder traumverloren getönte Aura von Poesie, Fragilität, Dahinschwinden evoziert gleichermaßen eine faszinierende Suite von abstrakten Gemälden.

Fahles Blaugrau, verschwiegenes Dunkelgrün oder ausgelaugtes Purpuraubergine dehnen sich schimmernd und changierend über nicht grundierte, dünnhäutige Leinwände. Subtil eingesetzte Spachteltechniken und behutsam getupfte Farbaufträge, schattenhaft abgesetzte Farbfelder, flüchtige Lichtsilhouetten erzeugenden den Eindruck unendlicher Raumtiefen.

Kunstkabinett Hans Martin Hennig, Argelanderstraße 79 (Hinterhaus), bis 6. Juli. Fr, Sa 16 bis 19 Uhr und nach Vereinbarung unter der Rufnummer 0228/229721.