Traumhafte Inspiration

So war der Auftritt von Inspire in der Bonner Brotfabrik

Virtuosin ersten Ranges: Evelyn Huber.

Virtuosin ersten Ranges: Evelyn Huber.

BONN. Die Harfenistin Evelyn Huber spielte mit ihrem Quartett Inspire in der Brotfabrik und liefert dabei Futter fürs Kopfkino. Das Publikum war begeistert.

Manche Städte sind nur einen Klang entfernt. Frankfurt zum Beispiel, oder das ägyptische Alexandria oder die chilenische Hafenstadt Valparaiso. Es sind Orte, deren besondere Atmosphäre tiefe Spuren in den Köpfen und Herzen des Quartetts Inspire um die Harfenistin Evelyn Huber hinterlassen hat – Eindrücke, die die Musiker mit ihrem Publikum in der Brotfabrik teilen möchten. Und so lassen sie ihre Instrumente erzählen und holen kurzerhand die besagten Städte nach Bonn, evozieren den Sonnenuntergang am Main, farbenfrohe Häuser vor einem pazifischen Hügelpanorama und die Erinnerung an gleich zwei antike Weltwunder. Eine Erfahrung, die Ihresgleichen sucht.

Schon 2017 war Huber im Rahmen des „Over the Border“-Festivals in der Bonn, damals zusammen mit Quadro Nuevo und dem ägyptischen Ensemble Cairo Steps. In gewisser Weise ist ihr Auftritt in der Brotfabrik zugleich die konsequente Erweiterung als auch die sinnvolle Reduzierung dieses Aufeinandertreffens. Der musikalische Blick schweift diesmal ein wenig weiter und bezieht auch Lateinamerika mit ein, während die Besetzung weitaus kompakter ist, wenn auch nicht weniger exquisit.

Neben Huber, eine Virtuosin ersten Ranges, zaubert Christoph Herrmann am Cello mit stillem Charme feine Ornamentbögen, während Perkussionist Ramesh Shotham immer wieder geschickt Akzente setzt. Komplettiert wird das Quartett durch Matthias Frey, seines Zeichens Mitbegründer der Cairo Steps und sowohl als Pianist als auch als Komponist ein Genuss. Und dann wäre da noch Rahim Williams, ein junger Nai- und Duduk-Spieler, der als Gastmusiker zu dem Ensemble stößt und bei zwei Stücken eine bezaubernd-klagende Melodie beisteuert.

Fantastisch, wie gut er sich in das Quartett einfügt, das ohnehin perfekt aufeinander eingespielt ist, sich auch in improvisierten Soli gegenseitig inspiriert und dem Publikum ein ums andere Mal Futter fürs Kopfkino liefert. Dabei steht Inspire an diesem Abend in erster Linie für Musik, die trotz ihrer Komplexität und der ein oder anderen Jazz-Umspielung leicht wirkt und bei der man sich ganz entspannt zurücklehnen kann. Ein Ansatz, der ankommt. Das Publikum ist euphorisiert und bedankt sich mit begeistertem Applaus.