Konzert im Pantheon

So war das erste Dunkelkonzert in Bonn

Voller Erfolg mit einem originellen Format: Constantin Gold hat die Blind Audition erfunden.

Voller Erfolg mit einem originellen Format: Constantin Gold hat die Blind Audition erfunden.

Bonn. Bei Bonns erstem Dunkelkonzert im Pantheon hatten die Augen Pause. Erst gegen Ende wird in einer Quiz-Runde offenbart, wer da überhaupt für Begeisterung gesorgt hat.

Ein guter Sänger muss auch gut performen können, heißt es. Entertainer-Qualitäten sind im Musik-Geschäft immer gefragt, gerne auch ein gutes Aussehen, dann lässt sich der Künstler so viel besser vermarkten. Doch was, wenn das Publikum einfach nicht hinsieht? Und stattdessen nur zuhört? Dann wird es spannend. Auf einmal zählt nur noch die Stimme, nur noch der Klang und nur noch das Lied. Immerhin gibt es dafür die „Blind Audition“.

Seit einigen Jahren hat sich das Format des Pianisten Constantin Gold bereits in Köln einen Namen gemacht, jetzt wächst es über die Grenzen der Domstadt hinaus – und findet im Bonner Pantheon eine zweite Heimat. Die erste Ausgabe des Dunkelkonzerts erweist sich auf jeden Fall als voller Erfolg, dank einer souveränen Band, eines enthusiastischen Publikums und natürlich dank vier herausragender Goldkehlen. Das Konzept der „Blind Audition“ ist simpel: Während der Auftritte der vier Sänger bleiben sowohl auf der Bühne als auch im Saal die Lichter aus, so dass sich die Menge ausschließlich auf die Musik konzentrieren kann.

Auch die Band spielt nahezu blind, lediglich kleine Kästen mit einer roten LED und weißen Noten auf schwarzem Papier geben den Musikern eine Orientierung. Andererseits sind sie längst versiert genug, um auch in der Finsternis die Töne zu treffen und den Sängern das notwendige Fundament zu bereiten.

Quiz-Runde am Schluss

Die bleiben lange Zeit Stimmen in der Dunkelheit; erst gegen Ende wird in einer Quiz-Runde offenbart, wer da überhaupt für Begeisterung gesorgt hat. Und das haben sie alle: Amin Afify, der schon bei „The Voice of Germany“ mit von der Partie war, setzt unter anderem mit dem Ed-Sheeran-Cover „I See Fire“ Maßstäbe, während Singer-Songwriter Dan O'Clock mit feinen Eigenkompositionen irgendwo zwischen Reggae, Swing und Pop überzeugt. Severin von Rose, sonst Mitglied des a-cappella-Quartetts „Männersache“, klingt am Anfang ein wenig bemüht, steigert sich aber bis zu seinem „Egal Wohin“ enorm. Und dann wäre da noch Wallace Water mit einer Stimme wie ein Orkan, kraftvoll, voluminös und umwerfend, der zwar auch die leisen Töne beherrscht („Who Wants To Live Forever“), mit der Disturbed-Version von „Sound of Silence“ aber sein Meisterstück abliefert.

Gerade wenn der Gesang ein wenig rauer wird, erdiger, dreckiger, beginnt er zu strahlen. Davon würde man gerne mehr hören als nur die Songs an diesem Abend.

Vier Stücke hat jeder der Künstler am Ende interpretiert, unterstützt von starken Instrumentalisten und zwei exzellenten Background-Sängerinnen. Erst kurz vor den letzten Nummern treten sie ins Rampenlicht, sehr zur Freude des Publikums, das nun erstmals sieht, wer sie da verzaubert hat, und das nun versucht, Stimmen und Gesichter miteinander in Einklang zu bringen. 61 Menschen gelingt es am Ende, das entspricht in etwa 20 Prozent. Ein guter Schnitt, und ein guter Anfang. Denn dass es mit der Blind Audition weitergeht, ist bereits beschlossene Sache. Am 31. Oktober, pünktlich zu Halloween, soll im Pantheon die nächste Ausgabe laufen, mit neuen Sängern, neuen Stücken und sicherlich auch der ein oder anderen Überraschung.