Konzert in der Gronau

So war das Konzert von Steve Winwood auf dem Kunstrasen

Klassiker auf dem Bonner KunstRasen: Steve Winwood bringt den Geist der siebziger Jahre zurück.

Klassiker auf dem Bonner KunstRasen: Steve Winwood bringt den Geist der siebziger Jahre zurück.

Bonn. Knapp 3000 Fans erleben einen gut aufgelegten Steve Winwood auf dem Bonner KunstRasen. Für viele war es eine kleine Reise zurück in die Siebziger.

Er wirke doch eher wie ein Mathelehrer, denn wie ein Rockstar, las man in einer Konzertkritik aus Cleveland, die dann aber gleich die durchschlagende Extraklasse des Musikers pries. Als unvergänglichen Klassiker musealisierte ihn ein Bericht über ein Konzert in Bilbao. Und woanders wurde philosophiert, ob Steve Winwood, das einstige Wunderkind mit der fantastischen Bluesstimme, nun eher ein "Mozart des Pop" sei oder ein "weißer Ray Charles".

Nach den ersten Takten von "I'm a Man", das Lied das der damals 19-Jährige für die Spencer Davis Group sang, und das nun auf dem Bonner KunstRasen erklang, ist alles klar: Steve Winwood ist Steve Winwood, und er ist lebendig und immer noch so gut wie in den späten 1960ern und 1970ern, als er mit Eric Clapton, Jim Capaldi, Dave Mason und anderen Musikgeschichte schrieb. Diese hohe Stimme ist nach wie vor umwerfend, und wenn Winwood auf der Hammondorgel loslegt, die ihre starken Rhythmen und Akkorde über die Gronau pumpt, regt sich das Publikum, für Ekstase taugen diese Balladen nicht. Cool und konzentriert bearbeitet Winwood die Orgel und die Gitarre. Er ist sichtlich gut drauf. Vordergründige Show ist seine Sache nicht, dafür intensives Solospiel. Da gibt er alles. Und seine vier Musiker machen wie ein pulsierender Organismus alles mit. Saxofon und Gitarre sind exzellent besetzt.

Magische Zeitreise zu tollen Momenten

Textsicher und mit viel Spaß geht das Publikum mit auf die magische Zeitreise zu den tollen Momenten von Blind Faith, der Spencer Davis Group und - natürlich - Traffic, dieser traumhaften Band, die Rock und Jazz, Karibik, Latin und Afrika zusammenbrachte und bis in die 1990er hinein etliche Revivals hatte. Schöne Traffic-Hits hatten Winwood und seine Musiker in Bonn dabei, aber auch von den anderen Gruppen, die den gerade 70 gewordenen Multiinstrumentalisten berühmt machten.

Winwood, der sein skandalfreies Leben an der englischen Südküste verbringt und Sonntags gerne die Kirchenorgel spielt, ist mal wieder, unterwegs - sogar mit Tochter Lilly (22). Nach einer langen US-Tour, die sein sehr gutes Greatest-Hits-Album (live) flankierte, beehrt er jetzt Europa. Bonn als einzige Station in Deutschland reiht sich ein in Konzerte in Antwerpen, Amsterdam und im Londoner Hyde Park. Kommende Woche ist Winwood beim Montreux Jazzfestival zu hören.

Viel Raum für Interpretationen

Ein illustrer Reigen. In der Gronau folgt auf den frühen Hit des Wunderkindes das entschleunigte "Pearly Queen" mit dem spannenden Einstieg, den betörenden Gitarrensoli und den schneidenden Orgelriffs. Dann kommt das Cover der Buddy-Miles-Nummer "Them Changes" in einer sehr funkigen Version. Bei "Can't find My Way Home" wechselt Winwood zur Gitarre und glänzt im Duett. "Had to Cry Today" bietet viel Raum für Improvisation und fetzige Orgelpassagen. "The Low Spark Heeled Boys" ein weiter Winwood-Klassiker von "Traffic", den jeder im Publikum drauf hat, setzt sich mit aufreizender Langsamkeit in Bewegung. Auf "Empty Pages", ein weiteres Stück von "Traffic", folgt die traumhafte Liebeshymne "Higher Love", die er auf der Tour mit seiner Tochter intonierte, die inzwischen als Singer-songwriterin Karriere macht. In Bonn fehlt sie leider.

Die jüngere Generation hatte als Opener Akzente gesetzt, allerdings keine recht überzeugenden: Mit Gary Clark jr. (33) war ein KunstRasen-erprobter Musiker am Werk. 2013 faszinierte der tolle Gitarrist und Sänger als Gast in Santanas Band, am Donnerstag verbreitete er trotz guter Technik in erster Linie Langeweile. Ein ganzes Set mit Stücken aus dem aktuellen Album "Come together" war einfach zu viel. Behäbiger Bluesrock am frühen Abend.

Wie schön daher die leichtgängige, treibende Musik, und soundmäßig viel besser eingestellte Musik von Winwood. Die Fans genossen diese Zeitreise und fieberten dem Hit "Gimme Some Lovin", den Steve Winwood, sein Bruder Muff und Spencer Davis 1966 schrieben, im Zugabenteil entgegen. Vorher gab's noch "Dear Mr. Fantasy". Frenetischer Jubel unter den knapp 3000 Fans an einem tollen Sommerabend mit kleinem Regenintermezzo.

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