Irischer Barde im Beueler Brückenforum

So war das Konzert mit Gilbert O'Sullivan

Gilbert O'Sullivan bleibt sich treu.

Gilbert O'Sullivan bleibt sich treu.

Bonn. Mit Liedern wie "Clair" hat er die Menschen bezaubert. Jetzt gastierte der mittlerweile 72 Jahre alte irische Sänger in Bonn.

Sonderlich verändert hat sich Gilbert O'Sullivan seit den 1970er Jahren nicht. Der irische Barde mit dem Wuschelkopf und dem Träumerblick, der einst auf Augenhöhe mit Elton John und Cat Stevens spielte, war schon immer ein wenig aus der Zeit gefallen, ein Musiker, der sich kategorisch jeglichem Modetrend verweigerte und seinen eigenen Stil pflegte.

Im Brückenforum ist es nicht anders: Lediglich in den Gesichtern des Publikums und zu einem geringeren Teil an dem von O'Sullivan werden die nunmehr 50 Jahre sichtbar, die der Musiker inzwischen auf der Bühne steht. Ein paar Falten sind hinzugekommen, auch die Haare sind etwas angegraut, doch die Stimme, die ist noch genau so zart und weich wie damals, als O'Sullivan mit „Alone Again“ und „Clair“ die Hitparaden anführte.

Melodien sind ihm wichtiger als Sounds

Auch die Songs haben sich nicht geändert, bleiben weitgehend entspannte, schlichte Weichzeichner-Balladen ohne besondere Verzierungen oder Effekte. Etwas anderes wäre O'Sullivan aber auch nicht gerecht geworden, hat er doch stets betont, dass ihm Melodien viel wichtiger seien als Sounds. Daher hat er auch auf die große Band verzichtet, reist nur mit seinem Gitarristen Bill Shanley und sitzt selbst an einem in die Jahre gekommenen Keyboard. Die nostalgische Patina ist durchaus gewollt, und würden die Sicherheitsvorschriften es zulassen, hätte O'Sullivan sicherlich noch ein paar Kerzen angezündet und das Publikum um sich versammelt, statt den üblichen Abstand zu wahren.

Dadurch fehlt ein Teil jener Intimität, die seine Songs brauchen, jene leicht verklärte Atmosphäre, die die Gegenwart ausblendet und selbst schlageresken Stücken wie „Where Peaceful Waters Flow“ eine Existenzberechtigung geben. Dass die gelegentlich eingespielten Standard-Beats aus dem Speicher des Keyboards stammen und die hüpfenden Akkorde als Stilmittel irgendwann repetitiv werden, muss ohnehin ignoriert werden. Immerhin geht es doch um die Melodien, die alten ebenso wie die neuen.

Sein 19. Studioalbum kam im vergangenen Jahr auf den Markt

Tatsächlich hat Gilbert O'Sullivan erst im vergangenen Jahr sein inzwischen 19. Studioalbum aufgenommen, das genau so heißt wie er selbst und genau so klingt wie all seine anderen Hits. Nur ab und zu kommen neue Klangfarben hinzu, psychedelische Flötenklänge etwa oder ein paar Country-Anleihen. Immerhin lockert O'Sullivan sein Programm ab und zu mit kleinen Anekdoten auf, erzählt von einem Auftritt in Australien, bei dem das Publikum nichts von einer Pause wusste und zu selbiger den Saal zu verlassen begann, oder von dem verzweifelten Versuch, als Linkshänder seine erste Gitarre zu kaufen.

Das Publikum freut sich – und verkraftet es denn auch, dass mit „Alone Again“, „Matrimony“ und „Get Down“ das Konzert des 72-Jährigen schneller zu Ende geht als erwartet.