Open-Air-Auftritt in Bad Honnef

So war Joan Baez' Konzert auf der Insel Grafenwerth

Gewissen der Welt: Joan Baez bei ihrem Konzert auf der Bad Honnefer Rheininsel Grafenwerth. FOTO: THOMAS KÖLSCH

Gewissen der Welt: Joan Baez bei ihrem Konzert auf der Bad Honnefer Rheininsel Grafenwerth. FOTO: THOMAS KÖLSCH

Bad Honnef. Die US-Folkikone Joan Baez hat auf ihrer Abschiedstournee in Bad Honnef vor 3500 Menschen gesungen. Auf der Insel Grafenwerth hat sie ihr vorletztes Deutschlandkonzert gespielt.

Wenn es nach ihrer Stimme geht oder auch nach ihrer Bühnenpräsenz, könnte Joan Baez noch ewig weitermachen. Wenn es nach ihren Fans geht, dann ohnehin. Doch die Folksängerin und Ikone der Friedensbewegung hat sich endgültig entschieden, ihre mehr als 60 Jahre währende Bühnenkarriere zu beenden. Seit Anfang des Jahres ist sie auf Abschiedstour – am vergangenen Samstag hat sie nun auf der Insel Grafenwerth ihr vorletztes Deutschlandkonzert gespielt.

Noch einmal versucht sie die Fackel der Freiheit hochzuhalten und die Flammen der Liebe anzufachen, bezieht Position zur Trump-Politik und zur Flüchtlingskrise, zu Kriegsrhetorik und Populismus. Noch einmal zeigt sich die 78-Jährige als Gewissen einer Welt, die viel öfter auf sie hätte hören sollen, und noch einmal begeistert sie die rund 3500 Besucher auf der Insel, die damit seine Feuerprobe als Konzertgelände erfolgreich bestanden hat.

Die Atmosphäre ist schon etwas Besonderes: Das Siebengebirge auf der einen, den Rhein auf der anderen Seite, dazu Joan Baez mit ihrem herrlich vom Sopran zum Alt gereiften Organ. Was will man mehr? Auch das Wetter hält, trotz gelegentlicher Windböen und Donnergrollens. So können alle in Ruhe dem lauschen, was Baez zu sagen und zu singen hat, jenen Botschaften, die sie schon seit Dekaden vertritt.

Sohn Gabriel Harris sitzt am Schlagzeug

Es sind Lieder von einem verständnisvollen Miteinander, von Demut und natürlich von Liebe. Den Flüchtlingen auf aller Welt widmet sie Woody Guthries „Deportee“, den Kriegsopfern „Another World“ von Anthony and the Johnsons. Eigene Stücke sind in der Minderheit, aber Joan Baez war ja schon immer eher Interpretin als Songschreiberin, hat sich gerne bei Tom Waits bedient, bei Bob Dylan, bei Leonard Cohen oder auch bei John Lennon, hat deren Hits gesungen und sie mit minimalistischem Anstrich zu ihren eigenen gemacht. Viel hat sie nie dafür gebraucht, ihre Gitarre und ihre charismatische Stimme haben fast immer ausgereicht. Dennoch lässt sie sich wie schon seit einigen Jahren auch auf Grafenwerth von ihrem Sohn Gabriel Harris am Schlagzeug sowie dem Multiinstrumentalisten Dirk Powell unterstützen, die für einige zusätzliche Klangfarben sorgen.

Natürlich greift Joan Baez auf ihrer Abschlusstour noch einmal auf ihre Lieblingslieder zurück. „It Ain't Me, Babe“ ertönt ebenso wie „Suzanne“, „Imagine“ oder „The House Of The Rising Sun“. Extra für die deutschen Konzerte hat sie zudem „Der Mond ist aufgegangen“ und „Sag mir, wo die Blumen sind“ ins Repertoire aufgenommen, dazu relativ neu „The Last Leaf On The Tree“. Und das mag Joan Baez tatsächlich sein, die letzte einer Generation von engagierten Liedermachern, die immer Haltung bewahrten und sich für andere einsetzten. Verwelkt ist sie allerdings keineswegs, hat zumindest auf der Bühne nichts von ihrer Energie verloren, ihrer Leidenschaft und ihrer Kraft. Zwei Stunden lang singt sie gegen Egoismus und Gleichgültigkeit an, fordert gegenseitigen Respekt und Toleranz von allen Menschen. Das Publikum saugt diese Botschaften auf, applaudiert – und wettert doch zugleich gegen die Pressefotografen, die ausschließlich während des ersten Stücks auf Anweisung des zuständigen Sicherheitsdiensts im Zuschauerraum Aufstellung nehmen, um diesen Auftritt für die Nachwelt festzuhalten. Ein unnötiger Misston in einem ansonsten schönen Abschiedskonzert, das zugleich als Probelauf für zukünftige Veranstaltungen dieser Art auf der Insel Grafenwerth dient.

Die Stadt Bad Honnef und Veranstalter Ernst-Ludwig Hartz dürften zufrieden sein und planen schon für das Beethovenjahr 2020 einen weiteren hochkarätigen Auftritt. Man darf also gespannt sein.