Konzert in Bonn

So war "Inside Out" im Arithmeum

Perfektes Team: Markus Stockhausen (links) und Florian Weber im Arithmeum.

Perfektes Team: Markus Stockhausen (links) und Florian Weber im Arithmeum.

Bonn. Jazz im Bonner Arithmeum: „Inside Out“ mit dem Trompeter Markus Stockhausen und dem Pianisten Florian Weber. Ein ganz besonderer Abend in der Reihe der „Concerti discreti“.

Man kennt sich, man schätzt sich. Sie hätten sich seit Wochen auf das Konzert im Bonner Arithmeum gefreut, gesteht Florian Weber. Das merkt man. Und Markus Stockhausen nickt amüsiert. Seit 2008 spielen der Jazztrompeter und der Pianist – beide auch in unterschiedlichsten Formationen unterwegs – immer wieder mal zusammen. 2016 brachten sie die gemeinsame, herausragende CD „Alba“ beim Label ECM heraus. Vor einer kleinen Tournee durch Belgien und die Niederlande stand nun am Montagabend das Bonner Institut für Diskrete Mathematik im Arithmeum auf dem Programm.

Dass sie sich gut verstehen, verraten nicht nur die gelöste Stimmung und der permanente Blickkontakt, es ist die große Vertrautheit, die sich im Spiel, besser: im Zuspiel einzelner Melodien und Fragmente manifestiert. Da ist ein ständiges Geben und Nehmen ein Hin und Her inspirierter Ideen.

„Inside Out“, so haben Stockhausen und Weber ihr Duo genannt. Wobei der Pianist Weber mit seinen stetigen Wiederholungen und seinem Kreisen um einzelne Tonfolgen, die er in konzentrischen Linien weiterentwickelt, eher für das Innenleben, „Inside“, zuständig ist. Und Stockhausen auf Trompete und Flügelhorn einzelnen Tönen mit einem wunderbar weichen Sound nachspürt, ihnen in den Raum hinein folgt. Dann und wann bricht er mit einer ungewohnten Heftigkeit aus, führt den Klang jedoch auch an die Grenzen des gerade noch Hörbaren.

Traumhaft schöne Ballade

In Webers Komposition „Die weise Zauberin“, eine traumhaft schöne Ballade mit chromatisch auf- und absteigenden Läufen, spielten beide ihre musikalischen Eigenheiten und Gegensätze aus und fanden gleichzeitig zu einem faszinierenden Ganzen. „Befreiung“, ein geradezu programmatischer Titel, führte ein entfesselt grollendes und rollendes Pianospiel mit dem atemberaubend schnell geblasenen, swingenden und rockenden Flügelhorn zusammen. „Our Father“ – jede Silbe des Vaterunsers ergibt einen Ton – stellten die beiden wie ein feierliches Gebet mit strahlenden Trompetentönen in den Raum des Arithmeums.

Das begeisterte Publikum erlebte einen Abend herrlich abgestimmter Duo-Kultur und großer Kontraste. Etwa zwischen der Miniatur „Nicht umsonst“, in der Stockhausens filigranes, gedämpftes Trompetenspiel kaum eine Chance gegen die brausende Klimatechnik des Museums hatte, und der sehnsüchtigen, mit präzisem, kompaktem Zusammenspiel begeisternden Hymne „Better World“ oder dem Stück „Emergenzen“ mit einer unglaublich intensiven Steigerung hinein in sehr freie Jazz-Sphären. Ein ganz besonderer Abend in der Reihe der „Concerti discreti“.