Familienbande beim Kammermusik-Köln-Konzert im Villenviertel

So unendlich lieb

Bonn. Familienbande können so ihre Vorteile haben - müssen es aber nicht. Diese Kenntnis konnte man am vergangenen Montag gleich in mehrfacher Weise aus dem Konzert der Kammermusik Köln im Historischen Gemeindesaal im Bad Godesberger Villenviertel mitnehmen.

Zum Einen war da das Programm mit dem schönen Titel "Du bist mir so unendlich lieb", das sich ganz um das Komponisten-Ehepaar Clara und Robert Schumann sowie Johannes Brahms drehte.

Die Stellung der damals viel jüngeren Clara, die zwischen Karriere als aktiver Konzertpianistin, den Kindern und der zunehmenden Sorge um einen kranken Mann noch wunderschöne Werke schuf, wurde an diesem Abend in Tagebuchauszügen und Briefen deutlich, die Peter Tonger vortrug.

Hier machte sie sich selbst klein, bezeichnete ihr Klaviertrio als "Frauenzimmer-Arbeit", ihr Mann nannte es "weibisch".

Dass es sich hierbei um ein sehr schönes Werk handelt, das diese Bezeichnungen alle nicht verdient, konnte man zum Schluss des Abends in der Interpretation von Julian Shevlin (Violine), Oren Shevlin (Violoncello) und Mariko Ashikawa (Klavier) erleben.

Zum anderen waren da an diesem Abend die Familienbande der Interpreten - gegründet wurde das Projekt der Kammermusik Köln, um Mitgliedern der beiden großen Kölner Orchester sowie Dozenten der Hochschule die Möglichkeit zu geben, orchesterübergreifend Kammermusik zu machen.

Gäste sind hierbei immer willkommen wie beispielsweise in dieser Spielzeit das grandiose Alinde Quartett. Zum wiederholten Male war an diesem Abend der Bruder von Oren Shevlin, Julian Shevlin, als Geiger dabei, seines Zeichens erster Konzertmeister bei den Münchner Symphonikern.

Er war mit Brahms' Violinsonate d-Moll zu hören, ebenso wie auch im Schumann'schen Trio und zeigte leider eindeutig Schwächen hinsichtlich der Sauberkeit - im Spiel und in der Intonation. Hier stellte sich also die Frage, ob das Ensemble mit einem Geiger der beiden Stammorchester nicht vielleicht an dieser Stelle besser bedient gewesen wäre - trotz der Familienbande.

Für größere Begeisterung sorgten da Robert Schumanns Fantasiestücke op. 73 in der Fassung für Violoncello und Klavier sowie drei Bearbeitungen aus den Werken für Pedalflügel op. 56 und op. 58 für Oboe und Klavier, gespielt von Tom Owen und Mariko Ashikawa.

Sehr abwechslungsreich gestalteten sich diese Duo-Bearbeitungen und gaben den Werken ein sehr passendes neues Klanggewand.