Haus der Geschichte

So sieht das Programm 2018 im Haus der Geschichte aus

Bonn. Das Ausstellungsprogramm des Bonner Hauses der Geschichte wird 2018 politischer. 450.000 Besucher kamen im Jahr 2017 in die Ausstellungen.

Für das erfolgsverwöhnte Haus der Geschichte war das Jahr 2017 eine Hängepartie mit ungewissem Ausgang. Wie würde sich die durch die Dachsanierung nötige neunmonatige Schließung des Herzstücks des Hauses, der Dauerausstellung, auswirken? Welche Folgen würde die Schließung für den Besuch der Wechselausstellungen haben? Wie würde der Alternativbetrieb ankommen? Und, letzte Frage, wie würde die neu geordnete Dauerausstellung mit einem völlig neuen Blick auf die vergangenen 30 Jahre angenommen werden?

Hans Walter Hütter, der Präsident der Stiftung Haus der Geschichte, hat jetzt Bilanz gezogen – und ist mehr als zufrieden. Um mit der letzten Frage zu beginnen: Die am 11. Dezember durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wiedereröffnete Dauerausstellung laufe glänzend, sagt Hütter, wie zum Start des Hauses der Geschichte vor bald 25 Jahren. Zwischen dem 11. Dezember und dem vergangenen Wochenende sahen 75.000 Besucher den historischen Parcours von 1945 bis heute. Über Weihnachten sei es mit rund 2500 Besuchern täglich richtig eng geworden.

Auto-Ausstellung war derabsolute Renner des Jahres

Natürlich habe die Schließung Besucher gekostet, sagt Hütter, aber weit weniger als befürchtet. 450.000 Besucher kamen 2017 ins Haus, gewöhnlich liegt die Zahl bei 750.000 bis 800.000. Sehr intensiv sei das Ausweich-Angebot der Depotbesuche angenommen worden: 2000 Gruppen mit insgesamt 34.000 Besuchern gingen in die unterirdischen Depots. „Das hätte ich nie gedacht“, sagt der Präsident, will aber das Format nicht fortführen, „aus klimatischen Gründen geht das nicht“.

Zu empfindlich reagieren die magazinierten Exponate auf Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen. Stark nachgefragt (5600 Führungen) waren die sogenannten Begleitungen durch den Römerkeller, die historischen Orte und die Wechselausstellungen. Auf diesem Feld war die Auto-Ausstellung ein absoluter Renner: 204.000 sahen die populäre Schau. Auch die Vereins-Ausstellung läuft gut.

War man 2017 mit zwei sehr publikumsträchtigen Ausstellungen unterwegs, wird es 2018 ein gutes Stück politischer, schwieriger, aber nicht minder spannend. Mit „Deutsche Mythen seit 1945“ steigt das Haus der Geschichte Mitte März ein. Die Schau war bereits in veränderter Form im Zeitgeschichtlichen Forum, dem Haus der Stiftung in Leipzig, zu sehen. Was sind solche Mythen?

„Stunde null, Wirtschaftswunder, Arbeiter- und Bauernstaat und Zahlmeister Europas“, zählt Hütter auf und verspricht, jeden einzelnen Begriff auf seinen Wahrheitsgehalt zu prüfen und zu erklären. „Nehmen Sie die Trümmerfrauen, einer der Gründungsmythen der Bundesrepu-blik“, erläutert er, die habe es so gar nicht gegeben. Den Schutt nach dem Krieg hätten in erster Linie die Baumaschinen weggeräumt. „Das Wunder von Bern“, ein weiterer Mythos, war anfangs „nur“ ein glorioses Fußballspiel und kein vorweg genommenes Sommermärchen, bis der TV-Historiker Guido Knopp die „Helden von Bern“ lancierte und Sönke Wortmann 2003 „Das Wunder von Bern“ drehte.

Faktencheck

So etwas wie einen „Faktencheck“ wird auch die Ausstellung „Angst? Gefühlslage einer Nation“ unternehmen. Ab September kommen die Ängste der Deutschen auf den Prüfstand. War das Waldsterben eine durch eine Titelgeschichte des „Spiegel“ provozierte Massenhysterie oder ein durch Umwelteinflüsse ausgelöstes Ereignis? Was hat es mit den Deutschen und der Kernenergie auf sich? Stichworte: Tschernobyl und Fukushima. Wie gehen sie mit den Ängsten vor Zuwanderung um – seit der Einwanderung Deutschstämmiger aus dem Osten?

Mit der traditionellen „Rückblende“ (Ende März) dokumentiert das Haus der Geschichte, was sich 2017 auf dem Feld der Karikatur und Pressefotografie getan hat. Fotografie der Extraklasse wird ab Mitte Mai mit der Ausstellung „Relikte des Kalten Krieges“ ihren Auftritt im Foyer bekommen. Der Holländer Martin Roemer ist mit der Kamera auf die Suche von verlassenen Bunkern, Befehlsständen und Überwachungsanlagen gegangen. Eine schauerliche Reise zu den Hinterlassenschaften des Ost-West-Konflikts – meisterhaft fotografiert.

Das Ausstellungsjahr endet mit der zweiten großen Ausstellung 2018: „Very British“ wurde konzipiert, als von Brexit keine Rede war, „jetzt ist sie brennend aktuell“, sagt Hütter. Natürlich gehe es auch um Beatles, Buckingham Palace und legendäre Fußballspiele, die Schau wolle aber tiefer hinein in kulturelle, politische und historische Details gehen, die den Blick der Deutschen auf das Königreich prägen (Ende Oktober).

Konkrete Pläne für das Beethoven-Jubiläum 2020

Die Planungen für die nächsten Jahre sind voll im Gange, erzählt Hütter. 2019 gilt es, 70 Jahre Bundesrepublik zu feiern, was am 23. Mai mit der Erinnerung an die Verabschiedung des Grundgesetzes beginnt und im Herbst mit dem Gedenken an die erste Bundestagswahl seinen Höhepunkt erreicht. Mitte Juni feiert das Haus der Geschichte seinen 25. „Geburtstag“. Und 30 Jahre Fall der Mauer ist auch eine Zäsur, an der das Haus nicht vorbeikommt.

Gerade sind auch die Pläne fertig für die Aktivitäten, die die beiden Bundesinstitutionen Bundeskunsthalle und Haus der Geschichte zum Beethovenjubiläum 2020 vorhaben. Die Bundeskunsthalle wird den Reigen Ende 2019 mit einer historischen Beethoven-ausstellung eröffnen, das Haus der Geschichte steigt Mitte 2020 mit „Musik und Politik“ ein, einer Schau, deren Spanne bis zur Gegenwart reicht.