Bonner Ausstellung zum Geburtstag

Siegburger Künstler K. P. Kremer wird 75 Jahre

K. P. Kremer in seinem Troisdorfer Atelier.

K. P. Kremer in seinem Troisdorfer Atelier.

Bonn. Schwimmendes Rot: Die Bonner Gesellschaft für Kunst und Gestaltung würdigt den Künstler K. P. Kremer mit einer eigenen Schau.

Er arbeite gerne in Serien, gestand er, konzentriere sich auf ein Thema – „bis ich es satt habe“. Das war 2014, als K. P. Kremer 70 Jahre alt wurde und mit einer sehr schönen, umfangreichen Ausstellung im Kunsthaus Troisdorf gefeiert wurde. Er hat es immer noch nicht satt, wie jetzt, fünf Jahre später, zum 75. bilanziert werden muss. Und wie deutlich das frische, aufregende Werke zeigen, die seit dem letzten Jubelfest entstanden sind.

Zum 75. richtet ihm die Bonner Gesellschaft für Kunst und Gestaltung (gkg) eine kleine, aber feine Retrospektive aus, was fast schon Tradition hat. Vor 25 Jahren zeigte er hier einen ersten Überblick über sein Werk, schon 1984 war er bei der Vorgängerinstitution dabei, der von Marianne Pitzen 1972 gegründeten Bonner Galerie Circulus, damals die erste Adresse für konstruktiv-konkrete Kunst.

In der gkg sind nun Werke der Jahre 1983 bis 2018 vertreten. Das Interessante dabei ist, dass auf eine Chronologie verzichtet wurde und sich so Werke verschiedener Arbeitsphasen, aber ähnlicher Themen gegenüberstehen. Da zeigt sich, wie akribisch und analytisch Kremer mit seiner konkreten Kunst und Farbfeldmalerei vorgeht, wie er, mitunter nach Jahren, Fragen von gestern erneut auf die Tagesordnung setzt. Nichts bleibt dem Zufall überlassen, zumindest nicht, wenn es um Struktur oder Materialität geht.

Ein Ereignis

Wie unterschiedlich doch Karton und Baumwollgewebe auf die Farbe reagieren, wie interessant doch Büttenpapier seine eigene Materialität gegenüber der Farbe behauptet, sich wellt, die Farbe gleichsam schluckt, mit dem Papier eins werden lässt. Seidenpapier auf Leinwand bietet besondere Effekte, zumal wenn es zerknüllt ist, wie ein fragiles Relief wirkt, eine Miniatur-Landschaft mit Licht und Schatten.

Schon allein, wie die Farbe auf den Malgrund kommt, ist ein Ereignis: mit sichtbarer Pinselspur oder fein aufgetragen als kompakte Farbfläche, in halbtransparenten, lasierenden Schichten oder als gleichsam schwimmendes Rotfeld, das vom Baumwollgewebe aufgesogen wird. Kremer arbeitet mit Farbsättigungen und Formaten, zeigt sich als Freund künstlerischer Experimente. Nicht alles, was probiert wird, setzt sich über die Jahre fort, so etwa die collagierten Streifenbilder von 1987 mit einer Skala von Gelb, Rosa zu Violett und Schwarz. 2009 dreht er das Quadrat mit einem Orangefeld auf die Spitze, 2016 kombiniert er ein Gelbfeld mit deutlichen Pinselspuren mit einem monochromem, glatten Apricot. Die Bandbreite der Veränderungen und Spielarten scheint unerschöpflich.

Ein kleines Geburtstagsgeschenk hat Kremer für seine Fans parat: Während der Laufzeit der Ausstellung gibt es zwei Editionen Kremers zum Vorzugspreis. Und am Samstag, 13. April öffnet er sein Siegburger Atelier.

Gesellschaft für Kunst und Gestaltung, Hochstadenring 22; bis 22. April, Mi-Fr 15-18, Sa 14-17, So 11-17 Uhr. Am 13. April, 16 Uhr öffnet K. P. Kremer sein Atelier, Hohlweg 40 in Siegburg