Bonner Ausstellungen

Sehnsuchtsbilder

Die Armenierin Ovsanna Shekoyan hat sich von alten Familienfotos inspirieren lassen.

Die Armenierin Ovsanna Shekoyan hat sich von alten Familienfotos inspirieren lassen. F

Bonn. Zu sehen sind "All Together Now" im Künstlerforum und Uta Rings im Kunstraum 21.

Künstlerforum

Von Pioniergeist beflügelt, realisieren Uta Miksche und Ludwig Dinkloh, Gründerduo der Initiative "ArtDialog e.V. - Gesellschaft zur Förderung der Europäischen Integration durch Kunst" seit zwölf Jahren anspruchsvolle, transkulturelle Projekte. Die aktuelle Schau stellt unter dem Motto "All Together Now" die Arbeits- und Gedankenwelten eines aus Armenien, Island und Deutschland stammenden Teams (Jahrgänge zwischen 1957 und 1989) vor. Themen sind die Auseinandersetzung mit Erinnerung, mit konstruktivistischem Gedankengut (Roman Lang) sowie Experimente zu Farbe (Bernd Petri) und Fotografie (Ursa Schoepper).

Auf der Basis von Casein Tempera und nicht wiederzuerkennender Wellpappe dringt Bildhauer Jens Reichert zu einzigartigen Formfindungen vor. Grandiose Annäherungen an die Themen Landschaft und Heimat präsentiert die isländische Delegation. Stille, mythische Melancholie und Ursprünglichkeit prägen die von Schattengebilden durchdrungenen, imaginären Landschaften von Hubert Noi Johannesson. Rosa Gisladottir zeigt ein säulenartiges Modell, dessen mit farbigen Flüssigkeiten gefülltes Flaschenarsenal das bestechende Lokalkolorit isländischer Landschaft spiegelt.

Während Thorgerdur Thorhallsdottir eine Videodokumentation ihres, als Solopianisten engagierten Großvaters präsentiert, unternimmt das armenische Nachwuchstalent Ovsanna Shekoyan in ihren realistischen Gemälden eine tiefschürfende Spurensuche. Mit traumwandlerisch souveräner Pinselgeste bannt Vahan Rumelyan tiefschwarze Choreographien auf stolze Papierformate. Reflexionen über das verborgene Wuchern und Wachsen beschert Arman Vahanyan. Mit Ölkreidenuancen entfesselt Sergey Narazyan schließlich raue Landschaftsvisionen.

Künstlerforum, Hochstadenring 22-24, bis 27. November. Di-Fr 15 bis 18 Uhr, Sa 14 bis 17 Uhr, So 11 bis 17 Uhr. Katalog 10 Euro

Kunstraum 21

Den poetischen Titel "See der Sehnsucht, der ihr Lächeln widerspiegelt" mag man weniger als Anleitung, sondern als Einstimmung für ein besonderes Seherlebnis verwenden. Uta Rings hat den Satz als Überschrift für die aktuelle Einzelpräsentation ihrer neuen Arbeiten im Kunstraum 21 gewählt und fügt damit der Serie von Ausstellungstiteln, die den Klang von Gedichten haben, einen weiteren hinzu. "Ich komme von der Malerei", sagt die in Kassel geborene, in Düsseldorf ausgebildete und in Köln lebende Künstlerin.

Das ist auch in dieser Ausstellung zu spüren, wenn auch mit einer interessanten Richtungsänderung. Uta Rings hat die Leinwand verlassen und dem Plexiglas als Bildträger den Vorzug gegeben. In den gebauten, kastenartigen Objekten kann die Künstlerin sowohl die Farbe als auch die Formen mit einer neuen Dimension ausstatten. Im wörtlichen Sinne, denn die Glasobjekte sind von beiden Seiten mit Acrylfarbe bemalt, was ihnen eine durchscheinende Leuchtkraft gibt. Hinter der bemalten Fassade einiger Kästen schimmern die Umrisse geometrischer Formen hindurch, die trotz ihrer Präsenz vage und nicht recht greifbar bleiben.

Ganz anders die tiefen Kratzspuren in einigen der kürzlich entstandenen Kästen. Diese Spuren eines gewaltsamen Eingriffes wurden mit Wachskreide aufgefüllt, so dass die Wachsfarbe tief ins Plexiglas eindringt. Der Effekt ist anrührend, denn hier wird eine Verletzung in ihrer Präsenz anerkannt, ihre drohende übermächtige Wirkung aber gleichzeitig begrenzt.

Kunstraum 21, Adolfstraße 36; bis 28. November, Di-Fr 14-18, Sa 11-14 Uhr und nach Vereinbarung.