Sechs junge Positionen präsentieren sich in der Kunstgaleriebonn

Perfektion pur: Luca Degundas Farbbahnen.

BONN. Vor etwas über einem Jahr ist die Kunstgaleriebonn in der Villa Faupel an der Lotharstraße an den Start gegangen, hat 2011 mit einem Stakkato exzellenter Ausstellungen ihr beachtliches Profil und hochkarätige Namen präsentiert. Ein echter Gewinn für die stark ausgedünnte Bonner Galerieszene. Jetzt ist Luftholen angesagt: Mit sechs jungen Positionen betritt die Galerie Neuland, nehmen die Initiatoren Gisela Clement und Michael Schneider Witterung auf, erforschen, was an Akademien und in der jungen Szene geboten wird.

Eine Ausstellung als Versuchsballon. Denn mit welchem dieser neuen Künstler man in Zukunft weiter arbeiten wird, ist noch offen. "Maßnahmen" heißt die gestern eröffnete Schau, die eine große Bandbreite bietet und überraschende Positionen in einem gelungenen Arrangement zeigt.

Die barocke Freude an der Augentäuschung, Trompe L'Oeil genannt, treibt etwa die 1979 in Rom geborene Johanna von Monkiewitsch, Atelierstipendiatin des Kölner Kunstvereins, auf die Spitze: Geknicktes, leicht abgegriffenes Papier wird fotografiert, ausgedruckt, wieder geknickt und in Rahmen gehängt. Eine Etüde über Täuschung und Realität, Ursache und Wirkung.

Letztlich ungeklärt scheint die Materialität auch bei Matthias Wollgast (Jahrgang 1981) zu sein: Seine unterschiedlichen Bildträgern entspringenden Prismen und Artefakte lassen den Betrachter über ihre Entstehungsweise im Unklaren. Sie sind einfach da wie Überbleibsel aus einer fremden Kultur. Der Lüpertz-Meisterschüler Wollgast, der zeitweilig in Bonn lebte, fiel dem Galeristenduo bei dem traditionellen Rundgang der Düsseldorfer Kunstakademie auf.

Zu den Entdeckungen der Schau gehören die Alabaster-Arbeiten David Sempers (1980 geboren). Der kostbare halbdurchsichtige Stein erscheint an Stellen, wo er nicht vermutet wird: auf einem Stempelkissen, das langsam die Kapillare des Steins tränkt, eingelassen in die Wand, als Boden einer Gipsschale. Semper ist Student der für ihr ungeheures Gefühl für Marialien und Räume bekannten Leni Hoffmann. Das spürt man.

Die zweite bildhauerische Manifestation der Ausstellung - auch die eine Entdeckung - steuert die 34-jährige Schweizerin Karin Hueber mit einer Reihe von Plastiken bei. Es sind Abdrücke von Wandprofilen und Wohnungsdetails, edel präsentiert auf Glas-Trägern.

Mit Anna Lings (1971 geboren und bereits im Bonner Kunstverein aufgefallen) filigranen parallelen Tintenstiftbahnen, die auf dem Papier ein dreidimensional anmutendes Relief entstehen lassen, und den perfekt inszenierten Farb- und Form-Überlagerungen des Zürchers Luca Degunda (1978 geboren) stellt die Kunstgaleriebonn zwei weitere Positionen vor, die man in Bonn gerne ausführlicher sähe.

Kunstgaleriebonn, Lotharstraße 106; bis 2. März. Di-Fr 13-18, Sa 11-15 Uhr. Zur Ausstellung erscheint im Weidle-Verlag ein Katalog.