"Schmuckmuseum Bonn" feiert Jubiläum

Schon der Außenbau dieser ausgeklügelt ästhetisch restaurierten Villa in der Beethovenallee verspricht ebenso konsequent konzipierte Innenräume. Tatsächlich setzen sich hier die klaren Linien, der Verzicht auf Buntheit fort.

Bonn. Schon der Außenbau dieser ausgeklügelt ästhetisch restaurierten Villa in der Beethovenallee verspricht ebenso konsequent konzipierte Innenräume. Tatsächlich setzen sich hier die klaren Linien, der Verzicht auf Buntheit fort.

Farbe und Glanz bringen schließlich die vielen exklusiven Juwelen, die Franziska Kelz-Blanz darin präsentiert. Sie vor allem sollen Wirkung zeigen. Denn die Goldschmiedin hat vor zehn Jahren - und dieses Jubiläum ist ein Grund zur Rückschau - das "Schmuckmuseum Bonn" gegründet.

info Externer Link Weitere Informationen unter www.schmuckmuseum-bonn.de

So ganz verdient diese Einrichtung die Definition als Museum freilich nicht; Franziska Kelz-Blank nämlich zeigt hier ausschließlich eigene Kreationen. Allerdings hat sie anderenorts längst Ausstellungen auch mit historischem Schmuck realisiert; und sie hat eine stattliche Schmuckbibliothek aufgebaut.

Ziel dieser Initiativen war nicht allein die Präsentation ihrer vielfältigen Produkte; vielmehr wollte die Goldschmiedin auch das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die Angewandte Kunst, also das solide zweckgebundene Kunsthandwerk, schärfen, das nach ihrem Bekunden - im Vergleich mit den zweckfreien Künsten - zu wenig Wertschätzung erfährt.

Und Kunsthandwerk versteht sie ganz traditionell: als Herstellung künstlerisch und handwerklich anspruchsvoll gestalteter Objekte, und dies nach eigenen Entwürfen und in eigener Werkstatt. Dass Franziska Kelz-Blank es beherrscht, lässt sich den Colliers, Ringen und dem Ohrschmuck in den Schaukästen ihres privaten Museums ablesen.

Vorausgegangen ist neben mehrjährigem Tanzunterricht eine gründliche Ausbildung, die sie 15-jährig offiziell im Jahre 1961 - also noch ein Jubiläum! - mit einer Gold- und Silberschmiedelehre in der Heimatstadt Bamberg begonnen und durch Unterricht in Zeichnen und Gestaltungslehre vertieft hat. Gesellen- und Meisterprüfung folgten 1965 und 1971.

Und aus Bamberg, dieser schönen mittelalterlichen Stadt in Oberfranken, stammen auch ganz wesentliche schöpferische Impulse der Formfindung. Hier haben die Architektur und ihr Skulpturenschmuck den Blick für die Dreidimensionalität in den Künsten geschult.

Erfahrung und Experimentierfreude haben seitdem die Meisterin, die gelegentlich Grenzen zur großformatigen Bildhauerkunst überschreitet, zu ungewöhnlichen Schmuckstücken beflügelt: Beispielsweise zu ihren zwei Finger überspannenden Doppelringen oder dem durch Gehänge wandelbaren Ohrschmuck. Offenbar schätzt die Goldschmiedin variable oder gar kinetische Juwelen.

Exklusivstes Beispiel ist gewiss das Ensemble aus einer mit rosafarbenen Saphiren besetzten rosigen Schneckenscherbe, in deren Mitte eine der raren exotischen Conch-Pink-Perle prangt. Dieses Juwel lässt sich über zwei Nadeln anstecken oder mit einem Collier aus goldgefassten Korallen verbinden. Angesichts einer solchen Kreation "leidet" die Goldschmiedin unter dem aus einer Novelle von E.T.A. Hoffmann abgeleiteten "Cardillac-Syndrom".

Danach ermordete der Pariser Goldschmied Cardillac seine Kunden, um ihnen seinen Schmuck wieder entwenden zu können. Die Trennung von solchen Stücken fällt eben schwer. Aber es entstehen ja unter ihren Händen stets neue Objekte; denn an einen Ruhestand will die passionierte Tänzerin erst gar nicht denken.

Schmuckmuseum, Beethovenallee 61, Bonn-Bad Godesberg, nach Absprache (0 22 8) 36 19 56.